Johannesburg

Vor drei Wochen ging es für mich das erste Mal in die Metropole Südafrika’s: Johannesburg. Dort habe ich mit Juliana zwei unserer Mitfreiwilligen besucht, die in einem Stadtteil von Johannesburg bei einer kirchlichen Gemeinde arbeiten und dort unter anderem die Kinder- und Jugendprogramme betreuen. Einer der beiden, Johanna, kommt aus Münster und mit ihr bin ich vor drei Monaten mit dem Zug zum Flughafen nach Frankfurt gefahren. Daher habe ich mich sehr über das Wiedersehen mit ihr gefreut und es war schön, ein bisschen „Heimat“ hier in Südafrika zu haben 😀

Natürlich haben wir uns an dem Wochenende wie ganz normale Touristen Johannesburg angeguckt und verschiedene Sehenswürdigkeiten besucht. Die beeindruckendste Sehenswürdigkeit meiner Meinung nach war definitiv das Apartheid Museum! Falls ihr mal in Johannesburg sein solltet, lohnt sich ein Museumsbesuch auf jeden Fall. Schon zu Beginn entscheidet im Museum die Eintrittskarte über die „Rassenzugehörigkeit“ der Besucher. Es existieren separate Eingänge für Weiße und Nicht-Weiße. Das System der Rassentrennung wurde so gleich zu Beginn beklemmend erfahrbar. Die hervorragende Ausstellung endet mit den freien Wahlen von 1994, bei denen Nelson Mandela erster schwarzer Präsident Südafrikas wurde.

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Sonst waren wir noch auf dem Carlton Centre, der höchste Wolkenkratzer Afrikas, auf diesem wir einen großartigen Ausblick auf die Stadt genießen durften.

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Zum Schluss haben wir natürlich auch noch die Szenen-Viertel von Johannesburg besucht. Eines davon war Maboneng, was übersetzt „Ort des Lichtes“ bedeutet. Maboneng ist das hippe Vorzeigeviertel in Johannesburgs berüchtigter Downtown. Hier feiern laut jedem Reiseführer die Kreativen, die Reichen kommen zu Besuch und die Touristen staunen. Vor einigen Jahren gab es in dem Viertel nur hässliche und heruntergekommene Industriegebäude, die aber von Zeit zu Zeit aufgekauft und renoviert wurden. Nun kann man ein Food Market, Galerien, Restaurants, Cafes, Buchläden und Designershops besuchen. Ich persönlich kann den „Hype“ um dieses Viertel gut nachvollziehen. Das Viertel hat etwas Besonderes an sich und ich war überrascht sowie beeindruckt zugleich, als ich noch zwei Parallelstraßen zuvor aufgerissene Gehwege und Ratten den Müll durchsuchen gesehen habe und daher nie gedacht hätte, dass sich dahinter einer der schönsten Innenhöfe, die ich bisher gesehen habe, befinden können.

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Insgesamt kann ich Johannesburg nur als hässlich und großartig zugleich beschreiben, denn nirgends ist das Scheitern und das Gelingen einer afrikanischen Industrienation besser zu besichtigen als hier. Auf der einen Seite war ich sehr geschockt, die Gewalt und Armut auf den Straßen, die Verslummung ganzer Stadtteile und die große Kluft zwischen arm und reich so nahe vor Augen geführt zu bekommen. Auf der anderen Seite jedoch wird in Johannesburg sehr intensiv über die Zukunft des Landes debattiert und nur hier ist eine schwarze Mittelschicht entstanden, die in die ehemals weißen Domänen, in die Politik und Wirtschaft eindringt. Zudem findet in der Region um Johannesburg herum einer der größten und wichtigsten Industrieproduktionen des Landes statt. Dass Johannesburg den Ruf hat, zu den gefährlichsten Städten der Welt zu gehören, ist kein Geheimnis. Nach ihrem Autokennzeichnen „GP“ heißt die Stadt übrigens auch „Gangsta`s Paradise“. Die Kriminalitätsrate ist tatsächlich erschreckend hoch, doch wer sich in Johannesburg vorsichtig verhält, dem kann eigentlich nichts passieren. Also lasst euch nicht vor einem Besuch abschrecken, sonst verpasst ihr eine Stadt, in der man die Regenbogen-Nation am stärksten überhaupt erleben kann. Menschen aller Hautfarben, Religionen und Sprachen geben Johannesburg ein sehr kosmopolitisches Flair, was sich vor allem in den schönen Kunst- und Kulturszenen sehr widerspiegelt!

Thabela Thabeng

Hallo meine Lieben!

Zuerst einmal möchte ich mich bei allen von euch, die mir in den letzten Wochen nach meinem Blogeintrag über das Heimweh so viele liebe Nachrichten geschrieben haben, bedanken! Ich habe mich sehr darüber gefreut und eure aufbauenden Worte taten mir wirklich gut.

Mittlerweile geht es mir glücklicherweise auch schon ein bisschen besser. Dazu beigetragen hat unter anderem vor allem mein Zimmerwechsel. Nun teile ich mir nämlich ein Zimmer mit Anna, worüber ich sehr glücklich bin. Wir beide verstehen uns sehr gut und Anna ist für mich bereits zu einer guten Freundin geworden, der ich vieles anvertrauen kann. Unser Zimmer ist auch schon zu einem richtigen „Mädchenzimmer“ mit Lichterketten, Kerzen und Dekoartikeln verwandelt worden 😀 Und wir haben ein eigenes Badezimmer, welches direkt an unser Zimmer anschließt und daher nur für uns beiden zugänglich ist.

Anna und ich haben nun auch ein neues Hobby zusammen begonnen: wir gehen einmal die Woche reiten. Ja, ihr habt mich richtig verstanden. Ich kann es auch noch nicht ganz glauben, dass ich mich dazu entschlossen habe, aber ich habe immer viel Spaß dabei und freue mich bereits auf die nächste Reitstunde. Vor einigen Jahren war das Reiten mal ein Hobby von mir, aber ich habe es irgendwann aufgegeben und es nun eigentlich auch schon mehr oder weniger verlernt. Anna reitet bei sich zu Hause sehr oft und vermisst ihr Hobby sehr, weshalb sie nun auch glücklich darüber ist, ihr Hobby wieder ausführen zu können. Der Reiterhof hier in Potchefstroom liegt ein wenig außerhalb und ist sehr idyllisch. Weit und breit sieht man nur Felder und da wir immer um halb 5 unsere Reitstunde haben, können wir am Ende der Stunde die Sonne untergehen sehen. Und ich freue mich immer jedes Mal, wenn mich die drei Hunde unserer Reitlehrerin begrüßen kommen. Einer davon ist sogar erst 6 Monate alt und super süß! Unsere Reitlehrerin ist auch sehr nett und bemüht sich sehr darum, uns mit den anderen Mädchen auf dem Reiterhof in Kontakt zu bringen. Anna und ich haben jeweils einmal die Woche zusammen eine Einzelstunde und wir haben damit begonnen, nicht nur einfach zu reiten, sondern Polo Cross zu lernen! Bei Polo Cross handelt es sich um eine Kombination aus Polo und dem Ballsport Lacrosse. Unsere Reitlehrerin hat uns das vorgeschlagen, da sie selbst eine sehr gute Polo Cross Reiterin ist und an den Wochenenden immer auf große Turniere geht, bei denen wir sie demnächst begleiten sollen. Ihr Ziel ist es jedoch, eine kleine Polo Cross Mannschaft mit uns und ein paar weiteren Mädchen zu gründen, damit wir in ein paar Monaten auch an einem Anfänger Turnier in Johannesburg teilnehmen können. Für mich ist dieses Ziel bis jetzt noch ein wenig unrealistisch, aber bei jeder weiteren Stunde wird man immer besser! Wenn ich dann in einigen Monaten soweit bin, werde ich euch natürlich von meinem Turnier berichten 😀

IMG_1257.JPG Nun möchte ich euch noch von meinen Ausflügen an den letzten beiden Wochenenden berichten! Vorletztes Wochenende haben Anna und ich uns ein Auto gemietet und wir sind in den Thabela Thabeng Mountains wandern gewesen. Die Berge sind ca. 1 Stunde von Potchfestroom entfernt und traumhaft schön gelegen! Thabela Thabeng bedeutet übrigens übersetzt: „Sei glücklich in den Bergen!“ Wir haben uns für unsere Wanderung zwar sehr sportlich angezogen, letztendlich waren wir aber nicht darauf eingestellt gewesen, dass die Wanderung so anstrengend werden wird. Es ging überwiegend erstmal nur steil bergauf und in Südafrika gibt es keine präparierten Wanderwege wie wir sie vielleicht aus Deutschland aus gewohnt sind. Wortwörtlich mussten wir über „Stock und Stein“ gehen und unser großer Rucksack, der mit vielen leckeren Sachen für unser Picknick gefüllt war, hat uns den Aufstieg nicht gerade erleichtert 😀 Zudem waren wir es nicht mehr gewohnt, längere Strecken zu Fuß zu gehen. Hier in Südafrika ist es nämlich nicht üblich, zu Fuß irgendeine Strecke zurück zu legen – egal ob zum nächstgelegenen Supermarkt oder zum Nachbarn ein paar Häuser weiter. Alles wird mit dem Auto erledigt. Dementsprechend habe ich hier auch noch keine Fußgänger- oder Fahrradwege gesehen. Ich persönlich finde es manchmal ganz nett, oft mit dem Auto fahren zu dürfen, aber wenn man es von zu Hause aus gewohnt ist, oft zu laufen oder auch mit dem Fahrrad zu fahren,  kann man diese Sachen auch ganz schön vermissen. So war die Wanderung aus diesen Gründen nochmals doppelt so anstrengend 😀 Aber letztendlich sind wir an dem Tag 6 Stunden gewandert, worauf wir ziemlich stolz waren! Am Ende des Abends waren wir dann aber auch ziemlich erschöpft und haben am nächsten Tag erstmal lange ausgeschlafen. Abschließend kann ich aber nur sagen, dass das Wandern in der Natur Südafrika’s für mich ein persönliches Highlight ist!

IMG_1150.JPG Am letzten Wochenende durfte ich eine Erfahrung machen, die ich wahrscheinlich nicht noch einmal in meinem Leben machen werde (oder vielleicht auch nicht machen will) und auf jeden Fall nie vergessen werde! Anna und ich sind am letzten Wochenende auf einem so genannten Refresh Camp mitgefahren, das von unserem Projekt aus für die Lehrerinnen der Vorschulen organisiert wurde. Bei diesem Camp handelt es sich um eine Art Glaubenscamp, bei diesem sich alle auf Gott und ihren Glauben konzentrieren sollen. Das Camp fand auf einer schönen Lodge ca. 30 Minuten außerhalb von Potchefstroom statt. Lino hat sich sofort dagegen entschlossen, an dem Camp teilzunehmen, da er vereinfacht gesagt nichts mit Gott „am Hut“ hat, aber ich wollte mir – obwohl ich auch nicht gerade die religiöseste Person bin – das Camp nicht entgehen lassen und habe das Camp als eine gute Möglichkeit dafür gesehen, mal eine völlig andere Erfahrung hier in Südafrika machen sowie hautnah ein Teil der südafrikanischen Kultur (insbesondere der der Schwarzen) erleben zu können. Da Anna sehr religiöse ist und hier auch regelmäßig in die Kirche geht, ist sie auch mit auf das Camp gefahren. Vorab ist es wichtig zu erwähnen, dass der Glaube an Gott und die Religion an sich für sehr sehr viele Südafrikaner (eigentlich kenne ich keinen Südafrikaner, bei dem das nicht so ist) eine große und über alles stehende Rolle spielt. Grundsätzlich finde ich daran nichts schlimm und vielen Menschen hier gibt der Glaube an Gott Kraft und Halt. Jedoch konnte ich beobachten, dass der Glaube und die Religion oft nicht hinterfragen oder kritisch betrachten werden und alles von Gott als bestimmt angesehen wird. Das Camp wurde von 3 Männern geleitet, die zugleich auch Missionare waren. Das Camp begann jeden morgen um 6:30 und endete um 9:30, wobei wir nur eine Frühstücks-, Mittagsessens- und eine Abendessenspause hatten. Im Großen und Ganzen haben wir viel gebetet, uns mit Bibelversen beschäftigt und über den Glauben gesprochen. Zwischendurch wurden auch praktische Übungen und Spiele durchgeführt, die teilweise aber sehr befremdlich für mich waren. So musste ich mich bei einer Übung zum Beispiel an ein Geländer stellen und die Visionen von Gott empfangen und diese dann meinem Partner hinter mir überliefern. Um ehrlich zu sein habe ich keine Visionen von Gott empfangen und habe dann aus meiner Fantasie heraus meinem Partner hinter mir etwas erzählt, was mir gerade so in den Sinn kam 😀 Insgesamt war ich wahrscheinlich mit Abstand die am wenigsten religiöse Person auf dem Camp (und die einzige, die keine Bibel dabei hatte 😀 ), was mir wahrscheinlich auch alle angemerkt haben, aber trotzdem habe ich versucht, bei allen Aufgaben mitzumachen und mich gegenüber dem Camp offen zu zeigen. Viele Dinge wie zum Beispiel das Visionen lesen oder das Zungenreden waren sehr befremdlich für mich und haben teilweise bei mir den Eindruck erweckt, dass ich mich auf einem Camp von einer Sekte befinde, aber trotzdem gab es auch sehr schöne Momente und ich konnte Erfahrungen sammeln, die ich sonst wahrscheinlich nie in meinem Leben gemacht hätte. So wurde am Abend immer viel gesungen und getanzt und ich konnte viele Lehrerinnen nochmals auf einer persönlicheren Ebene kennen lernen. Zu Mal ich mir ja auch mit drei von ihnen ein Zimmer teilen musste, wobei eine unerträglich laut geschnarcht hat und die anderen beiden um 4 Uhr nachts eine Party veranstaltet und gesungen haben… Am letzten Tag bestand noch die Möglichkeit dazu, sich taufen zu lassen. Viele der Lehrerinnen wollten dies machen und haben sich dann in einem Planschbecken taufen lassen. Jedoch mussten sie dabei einmal komplett untertauchen, was für viele eine sehr große Herausforderung war, da sie es nicht gewohnt sind, mit dem Kopf unter Wasser zu gehen, denn viele können nicht schwimmen und haben auch noch nie in ihrem Leben in einem See oder Pool gebadet. Das ganze Wochenende lang haben zudem noch 6 Personen für uns gebetet (fragt mich nicht wie das geht…), ohne aber jedoch zu wissen, für welche bestimmte Person. Vorab haben sie Nummern erhalten und jede Nummer stand für einen Teilnehmer des Camps. Am Ende wurden die Nummer aufgedeckt und so konnten sie uns anschließend berichten, welche Visionen sie für uns von Gott erhalten haben. Die Vision für mich handelte um einen gewöhnlichen Krug, der jedoch von innen einen Diamanten erhält. Insgesamt war das Camp für mich persönlich von vielen Momenten geprägt, die einerseits sehr interessant und völlig neu, andererseits aber auch sehr befremdlich und seltsam waren. Jedoch möchte ich diese Erfahrung nicht missen und ich bin dankbar dafür, dass ich an dem Camp teilnehmen durfte.

IMG_1258.JPGSonst geht es mir soweit gut und ich lebe mich immer mehr in den Alltag hier ein. Dadurch, dass ich mich nun hier in Potchefstroom ohne Google Maps gut zurecht finde und ich weiß, wo was ist oder wo ich was bekommen kann, entwickelt sich so langsam ein kleines Heimatgefühl. Auch an die Menschen und deren verschiedenen Kulturen sowie Sprachen habe ich mich bereits gewöhnt und der anfangs vorherrschende Kulturschock verblasst ein wenig 😀

In der letzten Woche herrschte bei uns im Büro jedoch plötzlich eine große Aufregung und es trat eine Situation ein, mit der ich noch nie in meinem Leben zuvor konfrontiert gewesen bin. Bei uns im Büro unterrichten wir 2 zehnjährige Kinder, die bis vor zwei Monaten in ihrem Leben zuvor noch nie eine Vorschule oder Schule besucht haben. Von den beiden habe ich euch bereits im letzten Blogeintrag berichtet. Bei dem Mädchen ist nun aber, nachdem wir ihre Krankenakte gelesen haben, herausgekommen, dass sie HIV positiv ist und an Tuberkulose erkrankt ist. Beides ist in Südafrika grundsätzlich keine Seltenheit, jedoch wurde beides bei dem Mädchen nicht behandelt und seit März hat sie gegen die Tuberkulose keine Medikamente mehr von ihrer Oma bekommen, sodass sie dadurch andere anstecken könnte. Zudem muss das Mädchen bei ihren Großeltern und 14 anderen Familienmitgliedern in einer Hütte mit 2 Räumen leben! Für mich unvorstellbar… So waren dann alle sehr in Aufregung, zu mal die Lehrerin des Mädchens, die ich jeden morgen für den Unterricht abholen muss, seit einigen Tagen hustete und daher die Befürchtung hatte, sich bei dem Mädchen angesteckt haben könnte. So habe ich sie dann am nächsten Tag zum Arzt begleitet, damit sie bei diesem einen Tuberkulose Test machen konnte. Zum Glück stellte dieser sich im nachhinein als negativ heraus, der Schock zuvor saß aber trotzdem immer noch sehr tief. Bei dem Mädchen haben wir nun dafür gesorgt, dass sie alle ihre Medikamente erhält und so auch keine Ansteckgefahr mehr für andere besteht.

Nun habe ich aber genug von den letzten Wochen berichtet! Ich hoffe, dass es euch allen gut geht und ihr trotz des usseligen Wetters zu Hause die bald beginnende Winterzeit genießen könnt! Hier in Südafrika sind schon alle im Weihnachtsfieber und jeder Supermarkt ist mit Lametta, Weihnachtskugeln und blinkenden Lichterketten dekoriert. Sogar die Kassiererinnen müssen Weihnachtsschleifchen im Haar tragen! Also alles sehr typisch amerikanisch hier und ich finde es nicht wirklich schön, aber für mich fällt dieses Jahr Weihnachten eigentlich aus. Weihnachten bei 35 Grad im Schatten ohne Schnee, Glühwein, Spekulatius, Weihnachtsmärkte, Weihnachtsbaum, Adventskranz und meiner Familie ist für mich einfach kein Weihnachten! 😀

Ganz liebe Grüße aus dem immer heißer werdenden Südafrika! Fühlt euch ganz doll gedrückt von mir! Ich vermisse euch alle schrecklick doll, aber nun sind bald schon drei Monate um und ich freue mich schon riesig darauf, euch alle bald wiederzusehen!

Eure Hannah

 

47 days…

Hallo meine Lieben.

Heute Mal wieder nach etwas längerer Zeit ein neuer Blogeintrag von mir! Nun bin ich schon seit 47 Tagen hier in Südafrika und meine Gefühle dazu sind bisher etwas gemischt, aber dazu später noch ein bisschen mehr. Im Moment geht es mir soweit sehr gut hier und ich gewöhne mich immer mehr daran, nun in einem völlig anderen Land weit weg von Deutschland zu leben. Besonders unsere WG, aber auch Potchefstroom und das daran anliegende Township Ikageng, welches eine komplett andere Welt zu dem, was ich bisher kannte, darstellt, fühlt sich immer mehr nach zu Hause an. Das WG-Leben klappt bisher auch immer besser und mir gefällt es gut, mit anderen zusammen zu wohnen. Anfangs war es zunächst noch sehr ungewohnt, mit anderen, die nicht aus Mama, Papa und Antonia bestehen, zusammen zu leben, aber auch das ist nur eine Sache der Gewohnheit. Natürlich hatten oder haben wir teilweise noch einige Probleme mit den verschiedenen Auffassungen von Sauberkeit und Ordnung und diejenigen von uns, die vorher noch nicht alleine gewohnt haben, mussten auch erstmal feststellen, dass keine Mama mehr da ist, die einem alles hinterher räumt und einen umsorgt. Waschen, bügeln, kochen, putzen und so weiter muss jetzt eben jeder für sich selbst erledigen. Ich persönlich habe die meisten Schwierigkeiten mit dem Kochen, da meine „Koch-Künste“ leider wirklich nur auf das aller nötigste beschränkt sind, aber auch das verbessert sich allmählich und ich kann mich glücklich schätzen, dass meistens einer meiner Mitbewohner für mich mit kocht oder wir uns auch oft etwas zusammen kochen… wobei ich dann eher den Part des Tisch-Deckens übernehme 😀  Mittlerweile hat auch fast jeder verstanden, dass das Toast auch wieder zurück gestellt werden sollte oder die Butter in den Kühlschrank gehört 😀 Das schlimmste am WG-Leben ist bei uns jedoch der wöchentliche Spüldienst… Da wir zu fünft leben, sammelt sich in der Küche an einem Tag schon viel Geschirr an und das muss dann eben abends auch alles wieder abgespült werden und leider kann das für uns keine Spülmaschine erledigen. Sonst verstehen wir uns untereinander aber wirklich sehr gut, obwohl wir alle ziemlich unterschiedlich sind, was das Zusammenleben aber auch wieder interessant macht. Wahrscheinlich hätten wir ohne unseren gemeinsamen  Aufenthalt hier in Südafrika niemals was miteinander zutun gehabt, aber nun bin ich sehr glücklich darüber, mit Marvin, Lino, Nele und Anna zusammen zu wohnen. Unter der Woche machen wir recht viel gemeinsam, wie zum Beispiel Käsenudel kochen (die gibt es mindestens einmal die Woche bei uns :D), einen Film gucken, essen gehen, Monopoly spielen,  gemeinsam in der Sonne in unserem Garten liegen oder aber auch einfach zusammen einkaufen gehen. Am Wochenende geht es eigentlich immer feiern, was mir persönlich bzw. uns drei Mädchen manchmal ein bisschen zu viel ist. Besonders Lino und Marvin gehen ziemlich gerne feiern und so gab es schon Wochen, an denen sie 3-4 in der Woche in irgendeinem Club hier waren. Anna, Nele und ich gehen dann meistens am Wochenende immer zumindest einmal mit, da das oft eine gute Gelegenheit darstellt, andere von hier kennen zu lernen. Sonst ist unserer WG aber immer recht viel los und wir bekommen oft Besuch von den anderen Freiwilligen, die auch hier in Potchefstroom oder auch in anderen Teilen von Südafrika leben, da wir in einem ziemlich großen Haus mit Vor- und Hintergarten wohnen. Und da wir recht viele deutsche Freiwilligen hier in Potchefstroom sind, unternehmen wir alle am Wochenende oft etwas gemeinsam und auch mit einigen, mit denen ich nicht zusammen wohne oder in einem Projekt arbeite, konnte ich bereits schon Freundschaften schließen. Besonders viel Zeit verbringe ich mit Juliana, die glücklicherweise nur zwei Straßen weiter wohnt und mit zwei Belgierinnen, die durch ihre Universität einen Freiwilligendienst hier in einer Schule absolvieren.

Mein Projekt gefällt mir soweit auch immer noch ganz gut. Ich gehe gerne zur Arbeit und das Gefühl „gebraucht zu werden und helfen zu können“ tut mir sehr gut. Mittlerweile ist man auch mit allen Aufgaben vertraut und ich finde mich mit dem Auto im Township gut zu Recht. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich alle Straßen kenne (das werde ich wahrscheinlich auch am Ende des Jahres nicht), aber immerhin gehe ich jetzt nicht mehr im Township verloren 😀

Zurzeit haben wir uns bei Bafenyi einer sehr neuen und großen Aufgabe angenommen. In der Nähe von unserem Büro leben zwei Kinder – ein Junge und ein Mädchen – im Alter von ungefähr 10 Jahren, die noch nie in ihrem Leben eine Vorschule oder eine Schule besucht haben. So haben sie bisher noch nie wirklich konzentriert gearbeitet und sich mit Themen wie Zahlen, Buchstaben, Schreiben usw. auseinandergesetzt. Als wir von der für mich nicht vorstellbaren Situation erfahren haben, haben wir uns als Ziel gesetzt, den Kindern zu helfen und sie zu unterrichten, sodass sie am Anfang des nächsten Jahres in die Schule gehen können. Das ist aber leichter gesagt als getan… Da beide Kinder kein Wort Englisch sprechen können, brauchten wir eine Person, die Setswana sprechen kann und einige pädagogischen Erfahrungen aufweisen kann. Die haben wir glücklicherweise auch gefunden! Besonders Elsa, unsere Chefin, kümmert sich in erster Linie um die Kinder und sie kannte noch eine ehemalige Lehrerin im Township, die uns unterstützen kann. Jeden Morgen hole ich nun Betty mit dem Auto im Township ab und fahre sie zu unserem Büro. Dabei sind unsere Gespräche während der Autofahrt immer sehr interessant und meistens unterhalten wir uns über die Unterschiede zwischen Deutschland und Südafrika. So war es zum Beispiel für sie unvorstellbar, dass es in Deutschland nicht üblich ist, dass Schwarze im Haus von Weißen arbeiten. Die ersten Unterrichtsstunden der Kinder waren anfangs sehr schwierig. Die Kinder waren mit der neuen Situation total überfordert und haben viel geweint, denn sie wurden in ihrem Leben zuvor wahrscheinlich noch nie gefragt, ob sie ihren eigenen Namen schreiben können. Doch mittlerweile hat sich die Situation verbessert und die Kinder begreifen sehr schnell und arbeiten konzentriert.

Letztens musste ich jedoch leider auch miterleben, dass die Kriminalität und Gewalt im Township – auch wenn es tagsüber nicht so scheint – doch sehr hoch ist und dass man sie nicht außer Acht lassen kann. So habe ich letzte Woche an einem Feld zwei Lehrerinnen der Vorschulen, durch welches sie nur 5 Minuten laufen müssen, bis sie an ihrem Haus ankommen, abgesetzt. Schon von Anfang an kam mir dieses Feld komisch vor und sie an diesem einfach abzusetzen, löste in mir ein unsicheres Gefühl aus. Daher habe ich die beiden auch noch gefragt, ob sie wirklich hier abgesetzt werden wollen, aber sie meinten, dass sie jeden Tag durch das Feld laufen, um zu sich nach Hause zu kommen. Doch am nächsten Tag stellte sich heraus, dass die beiden, nachdem ich sie an dem Feld abgesetzt habe, auf dem Weg zu sich nach Hause ausgeraubt wurden und dabei verletzt worden sind. Solche Situationen gehören eigentlich zum Alltag im Township dazu, aber ich war sehr geschockt darüber und mir wurde nochmals klar, dass man sich nicht zu sicher im Township fühlen darf.

Das habe ich auch bei einem Vorfall vor einigen Tagen erlebt. Als ich mit dem Auto durch das Township gefahren bin, ist mir plötzlich vor das Auto ein Mann gesprungen, der die Windschutzscheibe des Autos mit kleinen Steinen beworfen hat. Wahrscheinlich war das der gleiche Mann, der Anna und Lino schon mit Messern bedroht hat… Im Endeffekt ist zum Glück nichts passiert und ich konnte dem Mann schnell ausweichen, aber diese Situation hat mich sehr verängstigt und mich erstmal kurz aufgrund des Schocks zum weinen gebracht…

Auch auf den Straßen Südafrikas draf ma sich nicht allzu sicher fühlen 😀 Als ich letztens auf der Autobahn unterwegs war, ist vor mir ein Reifen von einem LKW vor mir abgesprungen und auf mich zugerollt. Zum Glück konnte ich dem Reifen ausweichen und er ist in den Graben gerollt, aber eine solche Situation möchte ich nicht nochmal erleben… Ich möchte aber jetzt auch keinen mehr beunruhigen durch meine Geschichten 😀

Jetzt möchte ich noch auf den Anfang meines Blogeintrags zurückkommen und ein etwas tieferes gehendes Thema ansprechen: das Heimweh. Ja, auch mich hat das Heimweh getroffen und das nicht gerade leicht. Im Moment befinde ich mich in einem „Tief“ und mir fällt es sehr schwer hier, mich an die neue Situation und an die neue Umgebung weit weg von zu Hause zu gewöhnen. Ich möchte dies nun noch zum Thema meines Blogeintrags machen, weil ich euch ein bisschen etwas über die Hintergründe dazu erzählen möchte und ich der Meinung bin, dass das Heimweh genau wie die anderen Erlebnissen – egal ob schöne oder auch nicht so schöne – die ich bereits gemacht habe, als Teil zu meinem Freiwilligendienst dazu gehören und ich euch diesen nicht vorenthalten möchte. Zunächst möchte ich aber nochmals betonen, was ihr aber wahrscheinlich schon durch die vorherigen Blogeinträge mitbekommen habt, dass mir mein Projekt sehr gut gefällt und ich es hier echt gut getroffen habe! Meine Arbeitskolleginnen sind sehr nett und kümmern sich herzlich um uns und sie sind sicher nicht der Grund dafür, warum es mir hier teilweise nicht so gut geht. Ich kann gar nicht genau sagen, wann bei mir das Heimweh oder aus welchem Grund das Heimweh aufgetaucht ist, aber besonders in den letzten zwei Wochen ist es sehr stark, denn erst jetzt realisiere ich so langsam, dass ich wirklich für ein Jahr in Südafrika sein werde und so lange von zu Hause getrennt sein werde. Zurzeit erscheint mir die vorliegende Zeit noch sehr lange und ich zähle die Tage regelrecht ab. Ich weiß selbst, dass das nicht der Sinn der Sache ist, aber es geschieht bei mir einfach automatisch und ich zähle immer im Kopf ab, wann der nächste Monat rum ist, wann der erste große Urlaub beginnt, wann mich meine Familie besuchen kommt usw. Besonders schwer fällt mir zurzeit auch die große Umstellung, die ich gerade durchmachen muss. Vor einigen Monaten war jeder Tag noch geregelt und alles war vertraut und gewohnt. Ich bin zur Schule gegangen, habe gelernt, mich mit Freunden getroffen, am Wochenende etwas unternommen und dieser Ablauf war im Grunde genommen in jeder Woche der gleiche. Ich habe mich in meiner vertrauten Umgebung, ja in meinem zu Hause bei meiner Familie, sehr wohl gefühlt und einen engen Kontakt zu meiner Familie gepflegt, was mir viel bedeutet, mir es aber jetzt umso schwerer macht, mich hier an die neue Situation zu gewöhnen. Im Grunde genommen hat sich mein Leben von einem Tag auf den anderen regelrecht um 180 Grad gedreht und jetzt befinde ich mich nicht nur in einer anderen Stadt, um dort mit einem Studium zu beginnen… nein, ich befinde mich auf einem anderen Kontinent weit weg von zu Hause in einer völlig fremden Kultur mit anderen Sprachen und neuen und noch nicht vertrauten Menschen. So langsam gewöhne ich mich an alles und viele Dinge, wie das WG-Leben werden für mich zum Alltag, aber trotzdem gibt es immer wieder Momente für mich, in denen ich mich nicht wohl fühle und einfach nur wieder nach Hause möchte.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich meine Situation im Moment am besten beschreiben kann. Man könnte von einem so genannten Kulturschock sprechen, aber ich weiß nicht, ob mein Heimweh ausschließlich auf die Andersartigkeit der Kultur hier zurück geführt werden kann, da ich besonders meine Familie vermisse und es mir ziemlich schwer fällt, nicht bei ihnen sein zu können. Meine Freunde vermisse ich natürlich auch und ich würde liebend gerne mal wieder einen Abend mit meiner besten Freundin Cati oder ein Mädelsabend mit den anderen verbringen, aber das Heimweh nach meiner Familie ist deutlich stärker ausgeprägt. Da viele meiner Freunde zurzeit auch selbst von zu Hause weg sind und im Grunde genommen auf der ganzen Welt verstreut sind, ist es gerade normal, viele nicht sehen zu können und da jeder zurzeit selbst damit beschäftigt ist, sich an ein neues Leben – egal ob im Ausland oder in Deutschland, ob bei einem Freiwilligendienst oder im Studium – nach der Schule zu gewöhnen, vermisse ich meine Freunde nicht ganz so stark. Natürlich würde ich hier gerne meine Freunde um mich haben, vor allem weil diese mich besser kennen als mich meine WG-Mitbewohner bisher und mir fällt es schwer, dass ich nicht etwas mit Freunden unternehmen kann, die mir so vertraut sind und die ich ungefähr schon mein ganzes Leben lang kenne. Da aber in Nottuln im Moment nicht wirklich viel passiert, viele meiner Freunde gar nicht mehr in Nottuln wohnen und auch ein neues Leben woanders beginnen, habe ich nicht dieses Gefühl, dass ich zu Hause irgendetwas besonderes verpasse. Natürlich werde ich an Tagen wie Martinimark, Silvester oder beim nächsten Abiball an die Momente der letzten Jahre zurück denken und die Momente mit meinen Freunden vermissen und es wird bestimmt der eine oder andere Tag kommen, an dem viele meiner Freunde sich treffen werden und ich nicht dabei sein kann, da ich diejenige bin, die am längsten von zu Hause getrennt ist, aber damit kann ich  bisher ganz gut umgehen und daher ist das nicht der Grund für mein starkes Heimweh.

Ich glaube mir persönlich fällt es am schwersten, den alten Lebensabschnitt, der sozusagen meine Kindheit bei meinen Eltern zu Hause in Nottuln umfasst, abzuschließen und mit einem neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Es hört sich immer so leicht und schön an, wenn man sagt, dass man jetzt erwachsen wird und beginnt, sein eigenes Leben zu leben, aber mir fällt dieser Prozess zurzeit sehr schwer. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich im Grunde genommen von heute auf morgen „ins kalte Wasser geworfen wurde“ und nun gezwungenermaßen damit beginnen muss, mein eigenes Leben zu beginnen, bei dem ich auf mich alleine gestellt bin. Klar, dass hätte ich auch tun müssen, wenn ich jetzt mit einem Studium begonnen hätte, aber die Tatsache, dass ich mich in einem völlig fremden Land ohne irgendeine vertraute Person befinde und nicht einfach so mal nach Hause fahren kann, macht den Prozess des „Erwachsenwerdens“ nicht gerade leicht für mich.

Auf der anderen Seite ist es aber sicher auch ein kleiner „Kulturschock“, den ich hier gerade durchmachen muss. Denn gerade am Anfang machten mir die Unterschiede zu Deutschland und auch dir innerhalb hier zwischen dem Townhsip und der Städte sehr zu schaffen und auch jetzt noch gibt es immer wieder kleine Momente, in denen ich überhaupt nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich arbeite nun mal auch in einem Projekt, in dem ich sehr mit Armut und schwierigen Verhältnissen konfrontiert werde und das berührt mich teilweise schon sehr stark. Manches fällt einem einfach schwer zu akzeptieren, vor allem wenn man auch die anderen Seiten kennen lernt: die reichen Familien mit großen Villen hier in Potchefstroom. Ich glaube an dieser Stelle ist es sehr wichtig sich zu sagen, dass man nicht nur die ganzen Unterschiede zu Deutschland sehen, sondern sich auf das besinnen sollte, was gleich ist und sich auf Neues zu freuen!

Naja, ich glaube, dass es irgendwie die Mischung aus allem ist, die mich hier noch nicht so ganz zuhause fühlen lässt. Ich persönlich brauche einfach noch ein bisschen Zeit, um mich an alles zu gewöhnen. Aber grundsätzlich bin ich fest der Meinung, dass das Jahr hier gefühlt sehr schnell umgehen wird. Ich bereue meine Entscheidung auch absolut nicht und ich bin froh, diese neuen Erfahrungen machen zu dürfen. Schon nach 1 ½ Monaten kann ich sagen, dass man sich persönlich sehr stark weiterentwickelt und besonders auch an den nicht so schönen Momenten unglaublich wächst. Ich merke auch an dem Aufenthalt hier, dass es im Leben auch noch andere Dinge gibt, die einen glücklich machen können und wie wichtig es ist, eine Familie und gute Freunde zu haben. Über viele dieser Dinge habe ich bisher bewusst noch gar nicht so nachgedacht und vieles erschien mir als selbstverständlich, was es aber eigentlich gar nicht ist. Das Heimweh zeigt auch, wie wichtig einem seine Familie und sein zu Hause ist und man kann sich glücklich schätzen, dazu in der Lage zu sein, Heimweh zu haben und seine Familie zu vermissen. Viele hier haben nämlich keine Familie, die einen unterstützt und liebt und daher können viele hier so ein Gefühl gar nicht verspüren. Ich persönlich lerne manche Sachen, besonders auch die, die einem als völlig normal und unbedeutend erschienen sind, viel mehr zu schätzen und ich kann nur jedem empfehlen, mal für eine etwas längere Zeit aus seiner Komfortzone zu treten und seine eigenen Erfahrungen zu machen! Vor allem wird das ein Jahr für mich sein, welches ich in dieser Form nie wieder haben werde und auf meine Erfahrungen sowie auf meine Arbeit hier kann ich in einem Jahr sicherlich stolz zurück blicken. Ich werde bestimmt immer mit Südafrika auf einer besonderen Art und Weise verbunden bleiben und schon jetzt konnte ich Freundschaften schließen, die mir sicherlich mein ganzes Leben lang erhalten sein werden. Vor allem auch mit denjenigen hier aus meiner WG werde ich für immer wahrscheinlich verbunden sein, da sie die einzigen sind, die die gleichen Erfahrungen machen werden und zusammen werden wir unvergessliche Erlebnisse miteinander teilen können.

Das Heimweh wird bestimmt in dem Jahr nicht ganz weggehen, aber ich glaube, dass es sich verändern wird und ich lernen werde, damit gut umgehen zu können. Mittlerweile kann ich meine Gefühlslage auch recht realistisch einschätzen und ich habe sie immer besser unter Kontrolle. Ich fange an, das Leben hier zu verstehen und es auch zu genießen, was aber bei täglichen 30 Grad auch nicht gerade schwierig ist 😀 Wenn das Heimweh auftaucht, versuche ich immer viel zu unternehmen und mich mit anderen zu treffen. So gehe ich seit ein paar Wochen mindestens dreimal wöchentlich mit Marvin ins Fitnessstudio hier, was mir wirklich sehr gut tut! Nachdem ich Sport gemacht und mich ausgepowert habe, fühle ich mich immer besser und mir gefällt es gut, raus zu kommen und abends zusammen zum Sport zu gehen. Natürlich ist das nicht nur ein gutes Mittel gegen Heimweh, sondern auch ein gutes Mittel für die Figur, da unsere Ernährung hier nicht die beste ist und wir aufgrund der für uns günstigen Preise viel essen gehen 😀 Außerdem mache ich mir immer fleißig Pläne für meine Freizeit und im Moment sind wir sehr damit beschäftigt, unseren großen Urlaub im Dezember zu planen. Wir werden genau ein Monat (vom 8. Dezember bis zum 8. Januar) von Johannesburg nach Kapstadt und wieder zurück fahren und das wird bestimmt eine unvergessliche Reise werden. Da zu dieser Zeit in Südafrika Hochsaison herrscht, war es teilweise sehr schwierig, noch gute Unterkünfte zu bekommen, aber jetzt haben wir schon fast alles gebucht und die Reise steht. Besonders freue ich mich darauf, Weihnachten am Strand verbringen zu werden und an Silvester Kerstin in Kapstadt zu treffen. Kerstin ist eine gute Freundin, die ebenfalls einen Freiweilligendienst in Südafrika absolviert, nur leider nicht in meiner Nähe, sondern in der Nähe von Kapstadt. Ich freue mich aber riesig darauf, 6 Tage mit Kerstin in Kapstadt verbringen zu können und mit einer vertrauten Person aus Nottuln Silvester feiern zu können… so ist die Welt doch wieder klein 😀

Besonders hilft es mir auch, meine Gedanken aufzuschreiben und auch generell mit Leuten zu reden. So stehe ich zurzeit mit den ehemaligen Freiwilligen meines Projektes in engem Kontakt oder auch mit Freiwilligen, mit denen ich hier bin. Dabei ist bei vielen das Heimweh sehr unterschiedlich oder teilweise auch gar nicht ausgeprägt. Das liegt aber teilweise auch an den unterschiedlichen Lebenserfahrungen der einzelnen. Natürlich hat ein Marvin, der 26 ist und bereits schon sein eigenes Leben geführt hat, nicht so starkes Heimweh wie ich, aber ich bin mir sicher, dass jeder irgendwann an einen Punkt kommen wird, bei dem man seine Familie sehr vermisst, aber einige können mit dem Heimweh eben einfacher umgehen als andere. Besonders helfen mir auch die Unterstützung und die aufbauenden Worte meiner Familie. Ich stehe schon sehr oft in Kontakt mit ihnen, was das Heimweh für mich persönlich aber nicht verstärkt. Ganz im Gegenteil – mir tut es gut, mit meinen Eltern zu telefonieren und danach fühle ich mich meistens besser. Viele hier haben auch fast gar keinen Kontakt zu ihren Eltern, aber ich glaube, dass das jeder für sich selbst am besten wissen muss. Natürlich sollte man nicht jeden Tag miteinander in Kontakt stehen, da man ja auch irgendwie ein bisschen „loslassen“ muss und sein eigenes Leben hier führen muss, aber ich brauche einen regelmäßigen Kontakt zu nach Hause schon sehr. Besonders wichtig für mich ist auch dieser Blog, da es mir sehr hilft, über meine Gedanken und Erlebnisse zu schreiben und ich habe große Freude daran. Demnächst gibt’s auch wieder unterhaltsamere Beiträge mit Bildern, nur es war mir wichtig, auch diesen Beitrag mit euch zu teilen und ich hoffe, dass ihr nach wie vor noch Freude daran habt, meinen Blog zu lesen!

Ganz liebe Grüße – eure Hannah

Hier noch einige Bilder der letzten Wochen: (unteranderem war ich künstlerisch besonders tätig und habe die Vorschulen verschönert)

Ikageng

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Gleich neben Potchefstroom befindet sich das Township Ikageng, in diesem ich unterhalb der Woche einen großen Teil meiner Zeit verbringe. Auch unser Büro von Bafenyi liegt in Ikageng, genauer gesagt in Extention 11. Ikageng ist relativ groß und in verschiedenen Extentions – im Prinzip in verschiedenen Vierteln – unterteilt. So gibt es zum Beispiel das Viertel mit den Coloured-People, ein indisches Viertel, ein schwarzes Viertel, ein Muslimisches Viertel und und und…

Zudem sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Vierteln teilweise sehr stark ausgeprägt. So kann man in einigen Vierteln – vor allem im muslimischen Viertel – fast ausschließlich sehr große und schöne Backsteinhäuser mit einem großen Garten vorfinden. In anderen Vierteln, wie in Extention  11, stehen wiederum nur kleine Wellblechhütten, die keinen Strom- oder Wasserzugang besitzen oder in denen noch nicht mal Laternen vorhanden sind. Das Township an sich stellt zudem eine kleine Stadt für sich dar. Es gibt Kirchen, kleine Shops, Kneipen, Friseure, eine Autowerkstatt, Friedhöfe. Schulen, Vorschulen, Supermärkte und und und… Der Standard ist natürlich nicht mit dem in der Stadt vergleichbar und alles sieht sehr heruntergekommen aus, aber man kann grundsätzlich alles im Township bekommen, was man zum leben benötigt.

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ein Haus im muslimischen Viertel

Als ich das erste Mal durch das Township gefahren bin, ist mir besonders stark der viele Müll aufgefallen. In Ikageng kann man manchmal kilometerweit auf Feldern, wo einzelne Wellblechhütten stehen, nur Müll entdecken, in dem viele Menschen nach Essensresten oder anderen brauchbaren Gegenständen suchen. Besonders erschreckend war für mich, dass viele kleine Kinder mit nackten Füßen durch den Müll laufen und dort spielen oder sich an verseuchten Wasserstellen aufhalten. Zudem war ich sehr geschockt, als ich sah, dass viele Menschen – überwiegend Kinder – Wasserstellen, Müllfelder wie diese, Zäune, Brücken oder auch die eigenen Hauswände „als Toilette“ benutzen. In Ikageng herrschen daher meiner Meinung nach teilweise sehr menschenunwürdige Zustände vor und alles ist ziemlich dreckig und vor allem besonders staubig. Im Moment ist es sehr windig, was man jedoch in der Stadt nicht wirklich merkt. Jedoch wenn man sich im Township befindet, ist dies anders. Dort stehen keine hohen Gebäude, die einen ein bisschen schützen können. Am schlimmsten dabei sind jedoch die Straßen. Viele von denen sind nämlich nicht geteert. Meistens gibt es nur eine Art von Sand/Feld Wegen. Wenn es dann windig ist, kann man dann oftmals viele kleine Wirbelstürme erkennen, die den ganzen Sand und Staub auf den Straßen aufwirbeln. Diese Stürme treffen dann oftmals auf die Menschen in den Straßen von Ikageng und das ist nicht gerade angenehm. Ich bin meistens vor den Stürmen geschützt, weil ich nicht durch das Township laufe, sondern immer im Auto sitze, aber einmal bin ich auch in einen kleinen Wirbelsturm geraten, als ich aus dem Auto ausgestiegen bin. Du hast dabei das Gefühl, dass du nicht mehr sehen und atmen kannst… und das müssen die Menschen hier im Township fast jeden Tag mitmachen.

Auch die Wellblechhütten, in denen viele Menschen leben müssen, schützen einen nicht gerade gut vor den Stürmen. Was ich gedacht habe, als ich die Wellblechhütten zum ersten Mal von nahem gesehen habe und auch in einigen drin war, kann ich schlecht in Wort zusammenfassen. Eine solch große Armut habe ich in meinem Leben bisher noch nicht gesehen und die Armut hier ist auf keinen Fall mit der in Europa oder Deutschland vergleichbar…. Vor allem im Winter und im Hochsommer hier müssen die Menschen in den Wellblechhütten besonders leiden, da im Winter keine Wärme in den Hütten vorhanden ist und im Sommer ist es unerträglich heiß.

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Der Verkehr auf den Straßen ist eher ruhig und die einzigen Autos, die man sieht, sind entweder Minibustaxis, Autos von Projekten oder oftmals nur sehr langsam fahrende und halbfunktionsfähige Autos, die in Deutschland schon längst auf dem Schrottplatz gelandet wären. Allerdings halten sich immer viele Menschen an den Straßen auf und allgemein finde ich immer ein buntes Treiben vor, wenn ich mit dem Auto durch das Township fahre. Besonders kleine Kinder, meistens nicht älter als 3 Jahre, sehe ich oft alleine auf den Straßen herumlaufen, was ich aber eher erschreckend finde, da diese ohne Eltern unterwegs sind und einfach unachtsam auf die Straßen laufen, sodass ich beim Autofahren immer ziemlich aufpassen muss. Besonders viele junge Menschen sehe ich täglich auf den Straßen, was größtenteils an der hohen Jugendarbeitslosigkeit liegt. Um zu Fuß in die Stadt zu kommen und dort zu arbeiten oder vielleicht Arbeit zu finden, liegt Ikageng zu weit abseits und besonders von den hinteren Extentions ist es sehr weit. Ich muss zum Beispiel jeden Tag ungefähr 20 Minuten mit dem Auto bis zu Arbeit fahren. Viele haben aber kein Auto und jedes Mal ein Minibustaxi zu nehmen, können sich ebenfalls nur die wenigsten leisten, obwohl eine Fahrt „nur“ ca. 10 Rand (70 Cent) kostet. Aus diesem Grund ist die Arbeitslosigkeit in Ikageng sehr hoch und viele Menschen sitzen daher nur vor ihren Hütten, halten sich vor kleinen Shops oder an den Straßen auf. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum der Gegensatz zu Potchefstroom so gravierend ist. Auf der einen Seite gibt es die große Universität in Potchefstroom und viele Angebote für junge Menschen zur Freizeitbeschäftigung und auf der anderen Seite findet man ein paar Kilometer weiter die große Jugendarbeitslosigkeit im Township vor. Ein weiteres großes Problem ist zudem noch der hohe Konsum an Alkohol und Drogen im Township, weshalb es dort auch nicht gerade ungefährlich ist. Tagsüber habe ich ein sicheres Gefühl im Township, was aber größtenteils wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich dort mit dem Auto mit geschlossenen Türen durchfahre und nicht zu Fuß gehe, wenn ich zu den verschiedenen Vorschulen unterwegs bin. Und wenn ich bei den Vorschulen bin, kann ich dort auch problemlos aussteigen und mich bei diesen aufhalten. Wenn es aber dunkel wird, versuche ich das Township aber auf jeden Fall meiden und besonders nachts würde ich mich noch nicht mal trauen, mit dem Auto durch das Township zu fahren. Mir ist zum Glück soweit noch nichts passiert, aber vor Lino’s und Anna’s Auto ist letztens ein Mann mit Messern in der Hand gesprungen und ihre Autos  wurden einmal mit einer Vodoo-Puppe abgeworfen, was ich eher ziemlich gruselig finde… Unsere Arbeitskolleginnen meinten, dass der Mann wahrscheinlich ein Heilpraktiker auf Drogen gewesen ist 😀 Zudem haben sie uns erzählt, dass in Extention 11, in diesem sich ebenfalls unser Büro befindet, meistens jede Nacht eine Person ermordert wird… aber ich möchte natürlich keinen jetzt beunruhigen… vor allem euch beiden, Mama und Papa, nicht 😀 Mir geht es gut und alle hier sind sehr um unsere Sicherheit bemüht, sodass eigentlich nichts passieren kann, wenn man sich vorsichtig und aufmerksam verhält. Und sehr viele Menschen hier sind auch super nett, hilfsbereit und sie freuen sich immer, wenn man ihnen zuwinkt. Besonders die Kinder sind immer außer sich, wenn sie eine weiße Person im Township sehen, was meistens nicht wirklich oft vorkommt. Im Township leben nämlich keine Weißen und die einzigen weißen Personen, die ich bisher im Township gesehen habe, sind Anna, Lino und meine 4 Arbeitskolleginnen und ein paar Freiwillige eines anderen Projektes in Ikageng. Meistens rufen dir die Kinder auf den Straßen, aber auch in den Vorschulen auf Setswana „legoa“ zu, was einerseits als Weißer aber andererseits auch als Zerstörer übersetzt werden kann… Die Kinder sind sich der zweiten Übersetzung meistens nicht bewusst, aber die Bedeutung dahinter kann einen schon zum nachdenken bringen…

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Tiere gibt es zudem auch jede Menge hier! Egal ob Hühner, Hunde, Katzen oder Kühe – hier laufen einfach alle Tiere frei durch das Township. So kann es auch schon mal passieren, dass man mit dem Auto anhalten muss, um eine Herde von Kühen/Rindern vorbei zu lassen.

Was auch immer auffällig hier in Ikageng ist, dass es öfters einfach mal irgendwo am Straßenrand brennt und es interessiert einfach keinen. Manchmal brennen ganze Rasenstücke ab und die Leute stehen noch daneben und bewässern ihren eigenen Rasen.

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Hier noch weitere Bilder vom Township und von den Vorschulen:

Pretoria

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Dieses Wochenende bin ich mit einigen Freiwilligen, die ebenfalls hier in Potchefstroom wohnen, in die Hauptstadt Südafrikas gefahren. Das Hostel, das wir uns kurzfristig gebucht haben, war wirklich schön und hat auch nur 12 Euro inklusive Frühstück gekostet! Leider kann Pretoria mit außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten nicht aufwarten, weshalb ich euch auch nur einige wenige präsentieren kann. Mein persönliches Highlight waren die Union Buildings der Stadt (Regierungsgebäude). In einigen Reiseführern werden diese als die schönsten der Welt bezeichnet, was ich ebenfalls auch nur bestätigen kann. Das Besondere an den Gebäuden ist nämlich nicht die Architektur, sondern die besonders schöne Aussicht auf Pretoria. Unterhalb der Gebäude fällt das Gelände terrassenförmig ab und man sieht eine riesige Parkanlage mit vielen bunten Blumen. Den Blickfang der Parkanlage bietet aber die neun Meter hohe Bronzestatue Nelson Mandelas, die erst im Dezember 2013 enthüllt wurde. Zudem haben wir noch das Krugerhaus besichtigt, was aber eher unspektakulär war… Das Krugerhaus ist das Wohnhaus des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Paul Kruger, nach dem auch der Kruger Park benannt wurde. Viele Gegenstände aus seinem Leben sind an dieser Stelle zusammengetragen, sogar seine Staatskarosse und der private Eisenbahnwagon. In der Nähe des Krugerhaus befindet sich noch das Rathaus, welches ebenfalls ganz schön war. Die letzte Sehenswürdigkeit, von der ich euch noch erzählen kann, ist der Historic Church Square. Hier entstand die erste Kirche, um die herum die Stadt wuchs und somit wird der Platz auch als das Herz der City bezeichnet.

Im Großen und Ganzen würde ich Pretoria aber definitiv nicht zu meinen Lieblingsstädten zählen. Abgesehen von den einigen wenig schönen Sehenswürdigkeiten ist Pretoria ziemlich hässlich… Im Zentrum der Stadt sieht man viele Hochhäuser, die alles andere als schön sind. Bei vielen von denen sind die Fensterscheiben eingeschlagen, es hängt Müll herab und dunkle sowie dreckige Hinterhöfe schließen an den Häusern an. Zudem gibt es ungefähr an jeder Ecke eine Fastfood-Kette, ekelige Kneipen und Läden, bei denen du dir deine Haare schneiden kannst und dir gleichzeitig eine Handyhülle kaufen kannst. Insgesamt riecht es in der Stadt aufgrund des vielen Mülls auch nicht wirklich gut und an den Straßen sowie in den Parks hängen viele Menschen den ganzen Tag nur rum und versuchen von dir, Geld zu erbetteln. Was mir aber besonders aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass fast keine Touristen in der Stadt unterwegs waren. Abgesehen von den Menschen in dem Krugerhaus, konnte ich die weißen Menschen in der Stadt an einer Hand abzählen. Im Zentrum von Pretoria waren wir fast die einzigen Weißen, die in der Stadt unterwegs waren. Auch Läden, die sich nach Touristen richten und zum Beispiel Postkarten verkaufen, haben wir vergebens gesucht. Nur in dem Krugerhaus konnte ich zum Glück eine Postkarte als Andenken ergattern.

Worüber ich mich aber sehr gefreut habe, waren die vielen grünen Bäume in Pretoria. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man so etwas wie Bäume mit grünen Blättern mal vermissen kann, aber anscheinend doch, denn hier in Potchefstroom gibt es leider nur ziemlich wenige grüne Bäume…Wenn man ein bisschen außerhalb vom Zentrum weg fährt, ist Pretoria auch mit vielen schönen Alleen ausgestattet, die der Stadt doch noch ein gewisses Flair verleihen. Besonders schön sind die zahlreichen Jacarandas. Vor allem im September, Oktober und November ist die Stadt in das zarte Lila der blühenden Trompetenbaumgewächse getaucht und daher konnten wir zum Glück die schönen Bäume auch sehen. Ursprünglich stammt der Baum aus dem Nordwesten Argentiniens, aber auch in Pretoria gedeiht der Baum bei dem Klima ausgezeichnet und so säumen mittlerweile 70.000 Exemplare die knapp 500 Straßenkilometer der Stadt.

In Pretoria haben wir zudem zum erstmal richtig bemerkt, was für einen Luxus wir in Deutschland gewohnt sind. Damit meine ich vor allem die Möglichkeit, zu jeder Zeit öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können. In Südafrika mangelt es nämlich sehr an öffentlichen Verkehrmitteln. Natürlich gibt es einige Züge und Busse in Südafrika, aber diese sind ziemlich begrenzt, oft nicht wirklich zuverlässig und für oftmals weiße Menschen nicht gerade ungefährlich. Zwischen Pretoria und Johannesburg gibt es eine Zuglinie mit Zügen, die sich Gautrains nennen, und diese Zuglinie konnten wir auch gut nutzen. Die Zuglinie wurde aufgrund der Fußball WM 2010 auch erst vor 6 Jahren neu erbaut und somit waren der Bahnhof und die Züge sehr modern und in jedem Wagon war ein Sicherheitsmann, weshalb wir uns auch sehr sicher gefühlt haben. Vor der Fußball WM 2010 hat Südafrika versucht, das System von öffentlichen Verkehrsmitteln zu erneuern und zu vergrößern, was aber leider nicht wirklich gut geklappt hat. Viele öffentliche Verkehrmittel, wie Busse, wurden nach der WM wieder abgeschafft oder man kann in Städten wie Pretoria Straßenbahnlinien erkennen, aber ohne irgendeine Straßenbahn darauf.

Da wir teilweise dann nicht wussten, wie wir von der einen Sehenswürdigkeit zu einer anderen kommen können, haben wir uns dazu entschlossen, die „gefährlichen“ Minitaxis auszuprobieren. Von den Minitaxis habe ich euch ja schon im letzten Beitrag erzählt. Um bei einem Minitaxi mitfahren zu können, muss man sich an den Straßenrand stellen und einfach seinen Arm ausstrecken. Dabei muss man nicht länger als 3 Minuten waren, bis ein Minitaxi angerast kommt und dich mitnehmen will. Als wir unsere Arme ausgestreckt haben, kamen ungefähr 5 Minitaxis gleichzeitig auf uns zu, die uns alle mitnehmen wollten. Eins ist sogar dabei mitten auf der Straße einfach rückwärts gefahren. Unsere „Beliebtheit“ lag denke ich wahrscheinlich daran, dass es sehr selten vorkommt, dass Weiße ein Minitaxi nehmen wollen und so haben die Fahrer wahrscheinlich ihr Geschäft des Lebens mit uns erhofft. Zuerst wollten sie auch mehr von uns für die Fahrt verlangen, als es eigentlich üblich ist, aber letztendlich konnten wir uns mit dem Fahrer auf 10 Rand pro Person einigen. 10 Rand sind umgerechnet ungefähr 70 Cent und so war diese Fahrt, die ungefähr 15 Minuten gedauert hat, die günstigste Taxi-Fahrt meines Lebens… und gleichzeitig auch die aufregendste, da Touristen eigentlich immer davor gewarnt werden, ein Minitaxi zu nehmen. Der Taxifahrer war aber sehr nett zu uns, hat extra für uns Musik angemacht und alle anderen Mitfahrer, die natürlich alle Schwarz waren, mussten sich zu fünft in eine Bank quetschen, um uns Platz zu machen. Zudem wurden wir, obwohl wir als letztes eingestiegen sind, als erstes an unser Ziel abgesetzt und der Fahrer des Minitaxis ist sogar außergewöhnlich vorsichtig gefahren 😀

Alleine würde ich ein Minitaxi auf keinen Fall nehmen, aber wenn man in einer größeren Gruppe und nicht im dunkeln unterwegs ist, stellen die Minitaxis eigentlich keine Gefahr dar.

Am Samstagabend ging es mir dann leider nicht so gut und ich hatte ziemliche Magenbeschwerden… wahrscheinlich habe ich etwas Falsches gegessen. Und so musste ich leider an dem Abend im Hostel bleiben und mich hinlegen, aber am nächsten Tag ging es mir dann zum Glück schon ein wenig besser und ich konnte mit den anderen in die Stadt gehen.

Insgesamt war das Wochenende sehr schön, aber auch sehr anstrengend und ich habe mich Sonntagabend gefreut, wieder in meinem eigenen Bett liegen zu können. Für diejenigen, die vielleicht mal nach Südafrika reisen wollen, würde ich euch Pretoria aber nicht gerade empfehlen. Wenn man länger in Südafrika ist, lohnt es sich auf jeden Fall, die Hauptstadt zu besuchen, aber wenn man nur für einen dreiwöchigen Urlaub hier ist, lohnt es sich nicht, hier her zu kommen. Südafrika hat eine viel schönere Natur und Landschaft zu bieten! Vor allem wenn man europäische Städte mit kleinen Gassen, schönen Einkaufspassagen, süßen Cafes und guten Restaurants gewohnt ist, wird man in Südafrika solche Städte vergeblich suchen und zumindest in Pretoria kann man dann sehr enttäuscht werden. Leider besitzen hier in Südafrika viele Städte ein besonders schönes Flair, wie es Städte in Europa mit ihren alten Gebäuden und süßen Gassen mit kleinen Läden haben, leider nicht und daher sollte man meiner Meinung nach auch nicht nach Südafrika reisen, wenn man sich Städte angucken möchte.

Linksverkehr

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Wie ihr der Überschrift ja bereits entnehmen konntet: in Südafrika herrscht Linksverkehr. Am Anfang hatte ich deswegen schon ein wenig Angst vor dem Autofahren, aber wir durften auch noch nicht sofort alleine ein Auto fahren. Wir mussten zunächst an einer Theoriestunde und dann an einer daran anschließenden Praxisstunde teilnehmen, um gut auf den südafrikanischen Straßenverkehr vorbereitet zu sein. Dies ist besonders wichtig für unser Projekt, da wir ungefähr jeden Tag ca. 2-3 Stunden mit dem Auto unterwegs sind. So durften wir auch die südafrikanische Fahrschule bereits am ersten Arbeitstag besuchen. Die Theoriestunde war sogar noch langweiliger hier, als die in Deutschland, denn wir mussten uns einen zweistündigen Film angucken, der aus den 80er-Jahren stammte…

Die Verkehrsregeln in Südafrika sind recht identisch mit denen in Deutschland. Die einzige große Ausnahme besteht jedoch darin, dass es größtenteils kein „rechts vor links“ gibt. Dafür weisen sehr viele Kreuzungen an jeder Straße ein Stoppschild auf. Bei solchen Kreuzungen darf dann derjenige als erstes fahren, der als erster an der Haltelinie zum Stehen gekommen ist. Zuerst habe ich mir dabei gedacht, dass so eine Regel in der Praxis nie funktionieren kann, aber als ich dann Auto fahren durfte, konnte ich schnell feststellen, dass dem nicht so ist.

Die Praxisstunde war zum Glück aber wesentlicher besser, als die in Deutschland. Zuerst sind wir zu einem Freund des Fahrlehrers gefahren, um diesem Patronenhülsen für sein Gewehr vorbei zu bringen, was ehrlich gesagt sehr seltsam war 😀 Danach hat er uns zu einem Fleischspieß und zu einem Pfannekuchen am Straßenrand eingeladen und zum Schluss sind wir noch zu ihm nach Hause gefahren, weil er uns seine Oldtimer und Motorradsammlung präsentieren wollte. Ich hatte keine Probleme damit, auf der linken Straßenseite zu fahren. Anfangs habe ich nur oft den Scheibenwischer angestellt, obwohl ich eigentlich blinken wollte oder ich wollte auf der Beifahrerseite anstatt auf der Fahrerseite einsteigen. Wenn ich nicht so gut aufpasse, kann es manchmal noch passieren, dass ich auf einem Parkplatz auf der rechten Seite fahre, aber nach ca. 3 Wochen ist für mich der Linksverkehr so normal geworden wie es vorher der Rechtsverkehr war und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, auf der rechten Seite mit dem Auto zu fahren. Das wird dann in einem Jahr noch mal eine große Umstellung für mich werden… 😀

Das schlimmste am südafrikanischen Straßenverkehr sind jedoch eindeutig die vielen Minitaxis, die größtenteils zwischen der Stadt und dem Township außerhalb hin und her fahren. Unter südafrikanischen Minitaxis muss man sich furchtbar unkomfortable, lebensgefährliche, zumeist nicht TÜV-zertifizierte, aber dafür recht lustige Kleinbusse vorstellen, die alle Straßenregeln missachten und sich mit einem nicht erlaubten und sehr gefährlichen Tempo zwischen dir herschlängeln. Zudem sind die Taxis oft die Hauptverursacher von Unfällen. Insgesamt ist der Straßenverkehr aber sehr interessant zu beobachten, da ziemlich viele Autos auf den Straßen unterwegs sind, die unter deutschen Bedingungen schon gar nicht mehr zugelassen wären oder auf den vielen Pick-ups sitzen hinten 6 Menschen eingequetscht, manchmal auch Tiere oder auch viele Sachen, die jeden Moment vom Runterfallen bedroht sind.

Spenden

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich hoffe, dass ihr durch meinen letzten Beitrag schon einen guten Einblick in mein Projekt und meine Arbeit dort gewinnen konntet. Da mir das Projekt wirklich sehr am Herzen liegt und ich weiß, dass es auf jede Art von Spenden angewiesen ist, möchte ich noch diesen Beitrag bezüglich des Themas Spenden verfassen. Das Projekt macht für die Menschen im Township von Ikageng einen großen Unterschied. Das Ziel von Bafenyi ist es, besonders die Situation der Kinder zu verbessern, um so langfristig eine zukünftige und nachhaltige Veränderung im Township in den Gang setzen zu können. Doch für diesen Prozess bedarf es neben sozial und freiwillig engagierten Menschen eben auch Geld, um die verschiedenen Programme bei Bafenyi umsetzen zu können. So möchte ich auch selbst durch Spenden ein wenig dazu beitragen, etwas verbessern zu können. Aktuell habe ich eine Spende erhalten, durch diese ich eine Vorschule verschönern kann. Die Vorschule sieht bisher nicht aus wie eine Vorschule. Die Wände sind alle grau/braun und die Vorschule, die zum Teil aus einer Wellblechhütte besteht, sieht insgesamt sehr trostlos aus. Mit bunter Farbe, die ich durch diese Spende kaufen konnte, werde ich nun die Wände verschönern und ich hoffe, dass die Vorschule dadurch freundlicher und heller erscheinen wird. Doch ich wünsche mir, dass nicht nur dieses Projekt mein einziges in dem Jahr bleibt. Es gibt sehr viele Vorschulen, denen noch notwenigere Dinge wie Lebensmittel, ein undurchlässiges Dach, Fenster, Spielgeräte, Sanitäranlagen und so weiter fehlen. Und genau diesen möchte ich durch Spenden gerne helfen! Wenn man selbst etwas durch eure Hilfe verändern kann, wäre das großartig! Und man kann die Freude der Lehrerinnen und der Kinder gar nicht in Worte fassen, wenn man ihnen sagt, dass etwas an ihrer Schule erneuert wird oder dass sie etwas Neues erhalten. So haben wir zum Beispiel letztens von einer örtlichen Toastfirma eine Spende erhalten, die beinhaltet, dass wir jeden Tag für die Vorschulen 50 Toastpackungen erhalten. Die Lehrerinnen waren einfach nur außer sich vor Freude, was toll zu sehen war. Auch wenn es nur kleine Spenden sind, alles wird hier benötigt!

Wenn ihr etwas spenden möchtet, werde ich euch natürlich auch darüber informieren, was genau ich aus den Spenden gemacht habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich einige Spenden erhalten kann. Hier noch die Kontoverbindung meines Spendenkontos:

IBAN: DE91 4016 4352 0018 7696 02

Ganz liebe Grüße – Eure Hannah

Hier noch einige Bilder, die während des Streichens der Vorschule aufgenommen wurden:

Bafenyi Trust

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Mein Projekt, welches ich das nächste Jahr als Freiwillige unterstützen werde, nennt sich „Bafenyi Trust“. Das Projekt wurde vor ungefähr 6 Jahren von meiner Chefin Elsa Coetzee ins Leben gerufen. Bis vor 1 ½ Jahren hatte das Projekt auch noch nicht mal ein eigenständiges Büro und so wurde bei Elsa zu Hause gearbeitet. Nun befindet sich das Büro aber auf dem Gelände der Vorschule „New Life“ im Township von Ikageng. Elsa’s Familie ist übrigens sehr wohlhabend. Ihr Mann Gerrit arbeitet als Anwalt und gilt als einer der Reichsten hier in Potchefstroom. Dementsprechend ist das Haus von Elsa und ihrem Mann, welches im Villenviertel von Potchefstroom liegt, sehr groß. Ich war wirklich ziemlich beeindruckt von dem Haus und den daran anschließenden Tennisplätzen, dem Pool und dem kilometerweiten Garten. Dennoch hat das Haus einen sehr schönen natürlichen Landhausstil und es sieht nicht „protzig“ oder dekadent aus, wie viele andere Häuser in der Nachbarschaft von Elsa. Zu dem Thema, wie sie damit umgehen kann, in dem sehr armen Township zu arbeiten und dann wieder am Ende des Tages in ihre Villa nach Hause zu fahren, möchte uns Elsa zu einem richtigen Zeitpunkt ein bisschen mehr erzählen. Zu diesem meiner Meinung nach sehr interessantem Thema werde ich euch dann noch etwas berichten. Aber ich finde es trotzdem sehr lobenswert und beeindruckend, wie sich Elsa und ihre Familie für das Projekt einsetzen und den Menschen im Township helfen wollen. Ohne die meist sehr große finanzielle Unterstützung ihres Mannes würde es das Projekt in dieser Form wahrscheinlich auch gar nicht geben und ich finde es großartig von Elsa, dass sie als einer der Reichen hier in Potchefstroom nicht die Augen vor den umliegenden Problemen verschließt, sondern aus eigener Kraft versucht, die Situation im Township zu verbessern.

Mein Projekt bezieht sich auf die Vorschulen – vergleichbar mit den Kindergärten in Deutschland – im Township. So sind die Kinder in den Vorschulen ein paar Monate oder die Ältesten 7 Jahre alt. Bafenyi arbeitet mit über 50 Vorschulen in Ikageng zusammen, wobei eine Vorschule auch des Öfteren aus 12 Kindern in einer Wellblechhütte bestehen kann. Einige Vorschulen haben dabei keine Elektrizität oder auch keine sanitären Anlagen. In Ikageng gibt es ungefähr 17.000 Kinder unter 6 Jahre, wobei aber nur 4.000 von denen die Vorschulen besuchen, was ebenfalls ein großes Problem darstellt, da die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder zu Hause nicht ausreichend gefördert werden und so sieht man in Ikageng auch sehr viele Kleinkinder einfach alleine auf den Straßen herumlaufen. Viele von ihnen spielen im Müll oder halten sich an verseuchten Wassergruben auf. Einige von ihnen besuchen dann auch noch nicht mal die Schulen, wenn sie 7 Jahre alt werden, wie zum Beispiel ein Junge, der in einer Wellblechhütte neben unserem Büro lebt. Der Junge ist 8 Jahre alt und hat die Schule bisher noch nicht besucht, weil die Eltern kein Geld für eine Schulkleidung haben. Wir haben dann für ihn die Schulkleidung gekauft und uns darum gekümmert, dass er nun zur Schule gehen kann. Aber Fälle wie diese sind in Ikageng keine Einzelfälle, was mich ziemlich geschockt hat, da so die Armut wie in einem „Teufelskreis“ von Generation zu Generation weiter gereicht wird, denn ohne eine Schulausbildung stehen die eh schon schlechten Arbeitsaussichten bei gleich null.

Das Problem, welches Bafenyi in erster Linie zu lösen versucht, ist das, dass viele der Erzieherinnen in den Vorschulen keine pädagogische Ausbildung haben und so oft nicht wissen, was sie mit ihren Kindern machen können und wie wichtig die frühe Förderung für das gesamte Leben der Kinder ist. An dieser Stelle kommt Bafenyi ins Spiel. Ungefähr 3 Mal wöchentlich werden Workshops vorbereitet, in denen die Erzieherinnen ein Programm aus Mathe, „Life Skills“, Basteln und so weiter gestellt bekommen, welches sie dann in der nächsten Woche mit ihren Kindern durchführen können. Diese Workshops werden für die verschiedenen Altersklassen der Kinder angeboten. So gibt es die Altersklasse „Baby Class“ (0-2 Jahre), die Altersklasse „Middle Class“ (3-5 Jahre) und die Ältesten sind die „Grade R’s“ (5-7 Jahre). So bezieht sich mein Projekt in erster Linie auch auf die Erzieherinnen, mit denen wir in einem engeren Kontakt stehen, als direkt mit den Kindern in den Vorschulen. Jedoch soll das Programm von Bafenyi natürlich den Kindern zu Gute kommen!

Anna und ich unterstützen Retha und Deanne bei der Durchführung der Workshops, indem wir zum Beispiel die Unterrichtsmaterialen für die Erzieherinnen zusammenstellen, die „Art Activities“ vorbereiten oder andere Materialien für den Unterricht erstellen, die dann in den Workshops den Erzieherinnen ausgeteilt werden. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich am Ende dieses Jahres bestimmt sehr für ein Kunst-Studium geeignet sein werde 😀 Diese Woche haben wir beispielsweise über 50 Puzzel für die Kinder gebastelt oder kleine Bücher zusammengestellt, da das Thema der Woche Bücher war. So sind wir auch diese Woche mit den Erzieherinnen in 2 Büchereien des Townships gefahren, um sie dazu zu motivieren, die Büchereien in Zukunft auch mit ihren Kindern zu besuchen.

Eine sehr wichtige und zeitintensive Aufgabe bezüglich der Workshops ist zudem noch der Transport. So fährt jeder von uns einen großen Toyota Avanza und 2 davon sind sogar nagelneu. Der etwas ältere Toyota steht uns auch privat zur Verfühung. Das Township ist sehr groß und da die Vorschulen teilweise mit dem Auto bis zu einer ¾ Stunde entfernt von unserem Büro sind, müssen wir die Erzieherinnen immer mit dem Auto abholen und sie nach dem Workshop auch wieder nach Hause bringen, da sie selbst kein Auto haben oder sich auch kein Taxi leisten können. Diese Aufgabe ist komplizierter und schwieriger als ich gedacht habe, da das Township ein riesiges Labyrinth für mich darstellt. Mit der Zeit finde ich mich nun schon besser zurecht, aber letzte Woche bin ich auch einmal im Township verloren gegangen und ich wusste nicht mehr, wo ich mit dem Auto gerade war. In diesem Moment habe ich mich schon ziemlich hilflos und alleine gefühlt, aber Retha konnte mich dann per Handyanruf ganz gut wieder aus dem Labyrinth herausführen 😀 Und wenn man es erstmal bis zur ersten Vorschule geschafft hat, kann die Erzieherin, die man dann mitnimmt, dir auch ganz gut den Weg zu den anderen Vorschulen beschreiben. Manche von ihnen können aber ziemlich schlecht Englisch und dann sind die Autofahrten manchmal auch sehr abenteuerlich und eine echte Herausforderung.

Ich bin übrigens überzeugt davon, dass diese Arbeit eines Tages einen großen Unterschied machen wird und es ist immer wieder schön, wenn man in eine Creche kommt und zwanzig Kinder einem strahlend und voller Begeisterung das fertige Puzzel entgegen halten, über das man selbst gestern noch saß. Zudem ist es sehr bewundernswert, wie Deanne, Retha oder Elsa Spielzeuge oder Lernmaterialien aus für unsere Augen geltender Müll herstellen können. Aus den einfachsten Dingen wie Yoghurtbecher oder Plastiklöffel können sie pädagogisches Spielzeug schaffen. Dies ist auch für die Erzieherinnen besonders wichtig, da solche Materialien für sie sehr günstig und einfach zu bekommen sind.

Das Programm, welches sich auf die Workshops bezieht, nennt sich übrigens bei uns „Dinaledi-Programme“. Aber natürlich basteln wir nicht ausschließlich! Bafenyi bietet auch noch zwei weitere Programme an, die ebenfalls sehr interessant sind. So hilft Lino Maxine bei der Buchhalten und den Finanzen der Vorschulen, was glaube ich auch sehr anstrengend sein kann. Zudem unterstützen wir das so genannte „Kwala-Programme“, welches sich auf das Management und die administrativen Aufgaben bezieht. Zusätzlich beinhaltet das Programm auch noch die Durchführung von Computer-Kursen. Denn viele der Erzieherinnen oder auch die Leiterinnen der Vorschulen wissen nicht, wie man mit Computern umgehen soll oder sie haben keinen Zugang zu Computern, zu Druckern oder zu einem Internetanschluss.

Das dritte Programm nennt sich „Diatla Programme“, bei dem unser künstlerisches und handwerkliches Talent gefragt ist. So sind wir immer zur Stelle, wenn eine Schule verschönert werden muss und schwingen eifrig den Pinsel oder bringen Bilder, Garderoben oder andere Sachen an die Wände an. Besonders bei diesem Programm bekommen wir jedes Jahr Unterstützungen von anderen Freiwilligen, die zum Beispiel hier von der Universität in Potchefstroom oder auch von Schulen in Schweden kommen. Denn manche Schulen benötigen nicht nur einen schönen neuen Anstrich, sondern auch oft ein neues Dach, neue Spielgeräte für draußen und und und…

Am Freitag waren zum Beispiel Studenten der Universität in Potchfstroom da, um uns bei der Verlegung von Rollrasen zu helfen. Das sind für uns immer gute Gelegenheiten, um mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können.

Wir unterstützen die Vorschulen auch dabei, sich für eine staatliche Unterstützung zu bewerben, wir fahren die Leiterinnen in die Stadt und begleiten sie dabei. Wir sind zudem zuständig für die Einkäufe, die wir für die verschiedenen Programme benötigen oder wir helfen den Vorschulen dabei, ihren Lebensmitteleinkauf für die Kinder zu erledigen. Insgesamt sind wir aber auch für die ganze Community im Township da. So können alle Menschen aus Ikageng zu uns kommen, wenn sie Probleme haben und wir versuchen immer, diese zu lösen, aber leider fehlen uns manchmal die Mittel dazu… Aber oft sind die Menschen schon sehr glücklich, wenn wir ihnen wichtige Dokumente kopieren, Lebensläufe abtippen und diese ausdrucken oder wenn wir sie in die Stadt fahren, sodass sie zum Beispiel Schulkleidung für ihre Kinder kaufen können.

Teilweise betreuen wir auch die Kinder und helfen den Lehrerinnen, auf sie aufzupassen. Dabei sind wir drei das absolute Highlight der Kinder und wir werden immer von allen in Beschlag genommen. Wenn man als Weiße in eine Vorschule kommt, sind die Kinder oft erst ein bisschen irritiert, da dies sehr selten vorkommt, aber wenn man ihnen dann zuwinkt, sind alle total begeistert und man hat plötzlich 10 Kinder an einem kleben, die alle „sharp sharp“ machen wollen. Dabei drückt man den einen Daumen gegen den des anderen als eine Art Hallo- oder Okay- Zeichen. Aber besonders angetan sind die Kinder von meinen blonden Haaren und sie wollen diese immer berühren 😀

So kann man schon sagen, dass unsere Aufgaben sehr vielseitig sind und im Prinzip vom Krankentransport bis hin zum Basteln alles dabei sein kann. Deswegen gefällt mir mein Projekt auch sehr gut und es ist schön zu sehen, wie man allmählich persönliche Beziehungen zu den Lehrerinnen aufbaut. Alle sind sehr herzlich und liebevoll und daher gibt dir auch keiner hier die Hand. Als wir ihnen vorgestellt wurden, hat uns sofort jede der Lehrerinnen umarmt und uns einen dicken Kuss auf die Wange gedrückt und natürlich mussten wir mit vielen von ihnen ein Foto für ihr neues Whatsapp-Profilbild machen 😀 Aber auch Bafenyi mit Elsa, Deanne, Maxine und Retha ist zu einer großen Familie geworden und man fühlt sich hier gut aufgenommen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, bei Bafenyi gelandet zu sein, denn Bafenyi besteht aus einem Team mit großartigen Menschen, die einen sehr unterstützen und uns den Start in Potchefstroom so leicht wie möglich gestalten. Wir haben jeden Tag bisher viel Spaß zusammen und auch in der Freizeit machen wir hin und wieder etwas zusammen. So sind wir Montag Abend zum Beispiel bei Deanne zum Essen eingeladen.