Preparation Seminar

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Vom 22. Mai bis zum 29. Mai fand das Vorbereitungsseminar meiner Organisation in Bad Honnef statt. Bei diesem erwartete uns ein abwechslungsreiches, aber teilweise auch sehr anstrengendes Programm, da wir uns jeden Tag von morgens um 9:00 Uhr bis abends um 19:00 Uhr zu verschiedenen Sitzungen, Vorträge und gemeinsamen Diskussionen sowie Gruppenarbeiten getroffen haben. Natürlich gab es dazwischen auch immer Unterbrechungen wie die zahlreichen „Tea Time“-Pausen mit Kaffee und Kuchen 🙂

Was ich besonders toll fand war, dass 8 Mitarbeiter/Ansprechpartner aus den Projekten in Südafrika extra angereist sind, um uns die Projekte und das Land Südafrika vorzustellen. Da von diesen nur 3 Deutsch konnten, hielten wir das gesamte Seminar natürlich auf Englisch ab. Besonders Lance und Tumi – die einzigen beiden schwarzen Südafrikaner des Seminars – wollten uns die Kultur der Südafrikaner näher bringen und so starteten wir gemeinsam jeden Morgen mit dem Singen von Liedern in den Tag. Mein absolutes Lieblingslied wurde dabei eindeutig „Shosholoza“.
Aber auch das Lied „Kaptein“ von Kurt Darren war sehr lustig, obwohl es meiner Meinung nach eher einem deutschen Schlagerlied nur auf Afrikaans glich. Hört euch mal beide bei YouTube an! 😀

Dr. Richard Chernis, ebenfalls ein Partner aus Südafrika, der gleichzeitig mein Mentor bzw. mein Ansprechpartner vor Ort sein wird und mit seiner Frau in Pretoria wohnt, hat uns genaustens über die Geschichte und die aktuelle Situation Südafrikas informiert, was sehr spannend war! Ich will nun versuchen, vor allem die aktuelle (wirtschaftliche/politische/gesellschaftliche) Situation in Südafrika für euch kurz zusammen zu fassen.

Südafrika ist wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich zur Zeit in einer sehr schwierigen Situation. 2016 könnte es sogar auch zu einem Schicksalsjahr für das Land am Kap nach dem Ende der Apartheid werden. Zuerst wurde das Land nach dem Ende der Apartheid als Hoffnungsträger ganz Afrikas bezeichnet und die ganze Welt bewunderte die Versöhnungspolitik Nelson Mandelas. Jedoch seit dem Südafrika 2010 die Fußball WM veranstaltet hat, befindet sich die Wirtschaft des Landes an einem Tiefpunkt. Symptomatisch dafür ist das geschwundene Vertrauen der südafrikanischen Geschäftswelt, das Umfragen zufolge auf dem tiefsten Stand seit 1993 gefallen ist. Stellvertretend für diese Entwicklung steht auch die Währung Rand. So hat der Rand in den vergangenen 12 Monaten gegenüber dem Dollar und Euro fast 30% an Wert verloren. Das wird für uns oder allgemein für Touristen ein großer Vorteil sein, jedoch trifft dies die südafrikanische Bevölkerung sehr hart. Verstärkt hat nicht zuletzt diese Entwicklung auch Südafrikas Staatspräsident Jacob Zumba selbst, als dieser binnen kurzer Zeit gleich zwei Mal den Finanzminister austauschte. Daraufhin kam es zu Panikverkäufen am Devisenmarkt und die Ratingagenturen verfolgen nun jeden Schritt der Regierung sehr genau. So steht Südafrika seitdem kurz vor einer Herabstufung auf Ramschniveau, wie es gerade bei Brasilien der Fall ist und auch für Südafrika immer wahrscheinlicher wird. Wenn dieser Fall eintrifft, würden sowohl für den Staat als auch für die zahlreichen Unternehmen die Kosten für die Geldaufnahme weiter steigen und sich auch deren Schulden verteuern. Was die allgemeine Situation Südafrikas auch nicht verbessert, sind die vielen Skandale, personellen Fehlgriffe, die Vetternwirtschaft und die hohe Korruptionsrate in der Politik. So war ein Skandal die Tatssache, dass Jacob Zumba fast 20 Millionen Euro an Steuergeldern illegal in seine Privatresidenz investierte und das Verfassungsgericht ihn nur einem eklatanten Verfassungsbruchs bezichtigte. Das ist ein Vorwurf, der in fast jedem anderen Land zu einer Amtsenthebung geführt hätte.

Um die Wirtschaft wieder an einen Wendepunkt bringen zu können, wird es künftig daher mehr bedürfen, als nur die Steuern für die Reichen zu erhöhen und ein paar Einsparungen im Haushalt vorzunehmen. Die Sorge ist vor allem, ob Südafrika künftig noch schnell genug wachsen kann, um nicht nur die Schulden zu bedienen, sondern auch die hohen staatlichen Sozialausgaben finanzieren zu können. Über 17 Millionen (fast ausschließlich schwarze) Südafrikaner beziehen Sozialhilfe, ohne dafür vorher je eingezahlt zu haben. Zusätzlich liegt die (inoffizielle) Arbeitslosenrate bei fast 40% und die Lage wird noch durch die Folgen einer gewaltigen Dürre, die Maiskäufe am Weltmarkt notwenig macht und schon bisher vielen Menschen ihre Einkommens- und auch Nahrungsquelle geraubt hat, erschwert. Dies werden wir in unserem Jahr wahrscheinlich auch zu spüren bekommen und vor allem sehen, wie diese Entwicklung als erstes die arme Bevölkerung treffen wird…

Insgesamt haben wir bei dem Seminar thematisch alles erfahren, was wichtig ist und daher fühle ich mich nun schon soweit sehr gut vorbereitet. Punkte, die behandelt wurden, sind zum Beispiel noch: Sprachen (Afrikaans und Setswana), Religion, Racism, Prejudices, Xenophobie, general rules, safety & security (violence/crime), intercultural communication, HIV/Aids, Health/Insurance, Millennium Development Goals, Versicherung, Gepäck, Familie, Urlaub.

Zudem haben wir jeweils zu unserem Projekt ein Videobeitrag gesehen und ein Portfolio erhalten. An dieser Stelle kann ich nur immer wieder sagen, dass ich wirklich froh bin, bei diesem Projekt mitarbeiten zu können, da dieses – soweit ich das beurteilen kann – sehr gut zu mir passt!

Außerdem kann ich mich auch glücklich schätzen, in Potchefstroom leben zu werden, da man dort unglaublich viel machen kann, wie uns ehemalige Freiwillige, die am Samstag beim 25jährigen Jubiläumsfest der Organisation dabei waren, berichtet haben. Sei es einkaufen oder ins Kino zu gehen, Sport zu machen, feiern oder essen zu gehen, Leute zu treffen und vieles mehr. Zudem bietet die Stadt so viel, da sie eine Unistadt mit vielen Studenten und einem großen Studentencampus ist. Ich denke, dass wir daher eine sehr coole Zeit dort zusammen haben werden, vor allem auch deswegen, weil ungefähr 15 Freiwillige der Organisation nach Potchefstroom gehen werden und man sich daher gut treffen kann. Natürlich wollen wir aber auch noch die anderen besuchen gehen, die alle ungefähr in der Region um Johannesburg verstreut sind.

An dieser Stelle ist es daher auch denke ich mal wichtig zu erwähnen, mit wem ich überhaupt das Jahr dort verbringen werde 😀 Also meine Projektpartner sind Anna und Lino, die ungefähr genau so alt sind wie ich und wirklich klasse sind. Ich denke, dass wir zusammen ein tolles Team bilden werden! Zusammen werden wir in einem Haus in Potchefstroom noch gemeinsam mit 2 anderen Freiwilligen der Organisation wohnen. Diese beiden sind Nele und Marvin, die bei dem Projekt „Thakaneng“, ein Projekt mit Straßenkindern, arbeiten werden, welches sich ebenfalls wie unser Projekt im Township Ikageng befindet. Nele ist 21 und Marvin, der gerade seinen Bachelor abgeschlossen hat, ist 26 Jahre alt. Beide sind auch sehr cool und daher freue ich mich jetzt schon auf unsere „WG“ und vor allem auf unsere gemeinsame große Reise im Dezember!! 🙂

Im Großen und Ganzen ist in der Woche so viel passiert, sodass es schwer ist alles in einen Beitrag zu packen. Der „krönende“ Abschluss dieser Woche war aber auf jeden Fall das Jubiläumsfest, an diesem wir einen „Braai“ (Grillfest) veranstaltet haben. Zu diesem Fest sind sehr viele ehemalige Freiwillige gekommen, die uns viele Tipps zum Reisen, zu Verhaltensweisen usw. gegeben haben und uns ihre Erfahrungen schildern konnten. Da mein Projekt erst zum dritten Mal Freiwillige bei sich aufnimmt, war es für mich, Lino und Anna besonders toll, dass eine ehemalige Freiwillige unseres Projekts, Miriam, auch an dem Abend da war und uns viel und zum Glück nur Gutes von unserem Projekt berichten konnte. Miriam studiert nun sogar in Münster, was für sie und mich ein cooler Zufall war und wir uns daher noch gerne treffen möchten 🙂 Insgesamt war es schön, viele nette Leute kennen zu lernen und die ersten neuen Freundschaften knüpfen zu können.

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