Ikageng

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Gleich neben Potchefstroom befindet sich das Township Ikageng, in diesem ich unterhalb der Woche einen großen Teil meiner Zeit verbringe. Auch unser Büro von Bafenyi liegt in Ikageng, genauer gesagt in Extention 11. Ikageng ist relativ groß und in verschiedenen Extentions – im Prinzip in verschiedenen Vierteln – unterteilt. So gibt es zum Beispiel das Viertel mit den Coloured-People, ein indisches Viertel, ein schwarzes Viertel, ein Muslimisches Viertel und und und…

Zudem sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Vierteln teilweise sehr stark ausgeprägt. So kann man in einigen Vierteln – vor allem im muslimischen Viertel – fast ausschließlich sehr große und schöne Backsteinhäuser mit einem großen Garten vorfinden. In anderen Vierteln, wie in Extention  11, stehen wiederum nur kleine Wellblechhütten, die keinen Strom- oder Wasserzugang besitzen oder in denen noch nicht mal Laternen vorhanden sind. Das Township an sich stellt zudem eine kleine Stadt für sich dar. Es gibt Kirchen, kleine Shops, Kneipen, Friseure, eine Autowerkstatt, Friedhöfe. Schulen, Vorschulen, Supermärkte und und und… Der Standard ist natürlich nicht mit dem in der Stadt vergleichbar und alles sieht sehr heruntergekommen aus, aber man kann grundsätzlich alles im Township bekommen, was man zum leben benötigt.

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ein Haus im muslimischen Viertel

Als ich das erste Mal durch das Township gefahren bin, ist mir besonders stark der viele Müll aufgefallen. In Ikageng kann man manchmal kilometerweit auf Feldern, wo einzelne Wellblechhütten stehen, nur Müll entdecken, in dem viele Menschen nach Essensresten oder anderen brauchbaren Gegenständen suchen. Besonders erschreckend war für mich, dass viele kleine Kinder mit nackten Füßen durch den Müll laufen und dort spielen oder sich an verseuchten Wasserstellen aufhalten. Zudem war ich sehr geschockt, als ich sah, dass viele Menschen – überwiegend Kinder – Wasserstellen, Müllfelder wie diese, Zäune, Brücken oder auch die eigenen Hauswände „als Toilette“ benutzen. In Ikageng herrschen daher meiner Meinung nach teilweise sehr menschenunwürdige Zustände vor und alles ist ziemlich dreckig und vor allem besonders staubig. Im Moment ist es sehr windig, was man jedoch in der Stadt nicht wirklich merkt. Jedoch wenn man sich im Township befindet, ist dies anders. Dort stehen keine hohen Gebäude, die einen ein bisschen schützen können. Am schlimmsten dabei sind jedoch die Straßen. Viele von denen sind nämlich nicht geteert. Meistens gibt es nur eine Art von Sand/Feld Wegen. Wenn es dann windig ist, kann man dann oftmals viele kleine Wirbelstürme erkennen, die den ganzen Sand und Staub auf den Straßen aufwirbeln. Diese Stürme treffen dann oftmals auf die Menschen in den Straßen von Ikageng und das ist nicht gerade angenehm. Ich bin meistens vor den Stürmen geschützt, weil ich nicht durch das Township laufe, sondern immer im Auto sitze, aber einmal bin ich auch in einen kleinen Wirbelsturm geraten, als ich aus dem Auto ausgestiegen bin. Du hast dabei das Gefühl, dass du nicht mehr sehen und atmen kannst… und das müssen die Menschen hier im Township fast jeden Tag mitmachen.

Auch die Wellblechhütten, in denen viele Menschen leben müssen, schützen einen nicht gerade gut vor den Stürmen. Was ich gedacht habe, als ich die Wellblechhütten zum ersten Mal von nahem gesehen habe und auch in einigen drin war, kann ich schlecht in Wort zusammenfassen. Eine solch große Armut habe ich in meinem Leben bisher noch nicht gesehen und die Armut hier ist auf keinen Fall mit der in Europa oder Deutschland vergleichbar…. Vor allem im Winter und im Hochsommer hier müssen die Menschen in den Wellblechhütten besonders leiden, da im Winter keine Wärme in den Hütten vorhanden ist und im Sommer ist es unerträglich heiß.

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Der Verkehr auf den Straßen ist eher ruhig und die einzigen Autos, die man sieht, sind entweder Minibustaxis, Autos von Projekten oder oftmals nur sehr langsam fahrende und halbfunktionsfähige Autos, die in Deutschland schon längst auf dem Schrottplatz gelandet wären. Allerdings halten sich immer viele Menschen an den Straßen auf und allgemein finde ich immer ein buntes Treiben vor, wenn ich mit dem Auto durch das Township fahre. Besonders kleine Kinder, meistens nicht älter als 3 Jahre, sehe ich oft alleine auf den Straßen herumlaufen, was ich aber eher erschreckend finde, da diese ohne Eltern unterwegs sind und einfach unachtsam auf die Straßen laufen, sodass ich beim Autofahren immer ziemlich aufpassen muss. Besonders viele junge Menschen sehe ich täglich auf den Straßen, was größtenteils an der hohen Jugendarbeitslosigkeit liegt. Um zu Fuß in die Stadt zu kommen und dort zu arbeiten oder vielleicht Arbeit zu finden, liegt Ikageng zu weit abseits und besonders von den hinteren Extentions ist es sehr weit. Ich muss zum Beispiel jeden Tag ungefähr 20 Minuten mit dem Auto bis zu Arbeit fahren. Viele haben aber kein Auto und jedes Mal ein Minibustaxi zu nehmen, können sich ebenfalls nur die wenigsten leisten, obwohl eine Fahrt „nur“ ca. 10 Rand (70 Cent) kostet. Aus diesem Grund ist die Arbeitslosigkeit in Ikageng sehr hoch und viele Menschen sitzen daher nur vor ihren Hütten, halten sich vor kleinen Shops oder an den Straßen auf. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum der Gegensatz zu Potchefstroom so gravierend ist. Auf der einen Seite gibt es die große Universität in Potchefstroom und viele Angebote für junge Menschen zur Freizeitbeschäftigung und auf der anderen Seite findet man ein paar Kilometer weiter die große Jugendarbeitslosigkeit im Township vor. Ein weiteres großes Problem ist zudem noch der hohe Konsum an Alkohol und Drogen im Township, weshalb es dort auch nicht gerade ungefährlich ist. Tagsüber habe ich ein sicheres Gefühl im Township, was aber größtenteils wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich dort mit dem Auto mit geschlossenen Türen durchfahre und nicht zu Fuß gehe, wenn ich zu den verschiedenen Vorschulen unterwegs bin. Und wenn ich bei den Vorschulen bin, kann ich dort auch problemlos aussteigen und mich bei diesen aufhalten. Wenn es aber dunkel wird, versuche ich das Township aber auf jeden Fall meiden und besonders nachts würde ich mich noch nicht mal trauen, mit dem Auto durch das Township zu fahren. Mir ist zum Glück soweit noch nichts passiert, aber vor Lino’s und Anna’s Auto ist letztens ein Mann mit Messern in der Hand gesprungen und ihre Autos  wurden einmal mit einer Vodoo-Puppe abgeworfen, was ich eher ziemlich gruselig finde… Unsere Arbeitskolleginnen meinten, dass der Mann wahrscheinlich ein Heilpraktiker auf Drogen gewesen ist 😀 Zudem haben sie uns erzählt, dass in Extention 11, in diesem sich ebenfalls unser Büro befindet, meistens jede Nacht eine Person ermordert wird… aber ich möchte natürlich keinen jetzt beunruhigen… vor allem euch beiden, Mama und Papa, nicht 😀 Mir geht es gut und alle hier sind sehr um unsere Sicherheit bemüht, sodass eigentlich nichts passieren kann, wenn man sich vorsichtig und aufmerksam verhält. Und sehr viele Menschen hier sind auch super nett, hilfsbereit und sie freuen sich immer, wenn man ihnen zuwinkt. Besonders die Kinder sind immer außer sich, wenn sie eine weiße Person im Township sehen, was meistens nicht wirklich oft vorkommt. Im Township leben nämlich keine Weißen und die einzigen weißen Personen, die ich bisher im Township gesehen habe, sind Anna, Lino und meine 4 Arbeitskolleginnen und ein paar Freiwillige eines anderen Projektes in Ikageng. Meistens rufen dir die Kinder auf den Straßen, aber auch in den Vorschulen auf Setswana „legoa“ zu, was einerseits als Weißer aber andererseits auch als Zerstörer übersetzt werden kann… Die Kinder sind sich der zweiten Übersetzung meistens nicht bewusst, aber die Bedeutung dahinter kann einen schon zum nachdenken bringen…

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Tiere gibt es zudem auch jede Menge hier! Egal ob Hühner, Hunde, Katzen oder Kühe – hier laufen einfach alle Tiere frei durch das Township. So kann es auch schon mal passieren, dass man mit dem Auto anhalten muss, um eine Herde von Kühen/Rindern vorbei zu lassen.

Was auch immer auffällig hier in Ikageng ist, dass es öfters einfach mal irgendwo am Straßenrand brennt und es interessiert einfach keinen. Manchmal brennen ganze Rasenstücke ab und die Leute stehen noch daneben und bewässern ihren eigenen Rasen.

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Hier noch weitere Bilder vom Township und von den Vorschulen:

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Pretoria

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Dieses Wochenende bin ich mit einigen Freiwilligen, die ebenfalls hier in Potchefstroom wohnen, in die Hauptstadt Südafrikas gefahren. Das Hostel, das wir uns kurzfristig gebucht haben, war wirklich schön und hat auch nur 12 Euro inklusive Frühstück gekostet! Leider kann Pretoria mit außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten nicht aufwarten, weshalb ich euch auch nur einige wenige präsentieren kann. Mein persönliches Highlight waren die Union Buildings der Stadt (Regierungsgebäude). In einigen Reiseführern werden diese als die schönsten der Welt bezeichnet, was ich ebenfalls auch nur bestätigen kann. Das Besondere an den Gebäuden ist nämlich nicht die Architektur, sondern die besonders schöne Aussicht auf Pretoria. Unterhalb der Gebäude fällt das Gelände terrassenförmig ab und man sieht eine riesige Parkanlage mit vielen bunten Blumen. Den Blickfang der Parkanlage bietet aber die neun Meter hohe Bronzestatue Nelson Mandelas, die erst im Dezember 2013 enthüllt wurde. Zudem haben wir noch das Krugerhaus besichtigt, was aber eher unspektakulär war… Das Krugerhaus ist das Wohnhaus des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Paul Kruger, nach dem auch der Kruger Park benannt wurde. Viele Gegenstände aus seinem Leben sind an dieser Stelle zusammengetragen, sogar seine Staatskarosse und der private Eisenbahnwagon. In der Nähe des Krugerhaus befindet sich noch das Rathaus, welches ebenfalls ganz schön war. Die letzte Sehenswürdigkeit, von der ich euch noch erzählen kann, ist der Historic Church Square. Hier entstand die erste Kirche, um die herum die Stadt wuchs und somit wird der Platz auch als das Herz der City bezeichnet.

Im Großen und Ganzen würde ich Pretoria aber definitiv nicht zu meinen Lieblingsstädten zählen. Abgesehen von den einigen wenig schönen Sehenswürdigkeiten ist Pretoria ziemlich hässlich… Im Zentrum der Stadt sieht man viele Hochhäuser, die alles andere als schön sind. Bei vielen von denen sind die Fensterscheiben eingeschlagen, es hängt Müll herab und dunkle sowie dreckige Hinterhöfe schließen an den Häusern an. Zudem gibt es ungefähr an jeder Ecke eine Fastfood-Kette, ekelige Kneipen und Läden, bei denen du dir deine Haare schneiden kannst und dir gleichzeitig eine Handyhülle kaufen kannst. Insgesamt riecht es in der Stadt aufgrund des vielen Mülls auch nicht wirklich gut und an den Straßen sowie in den Parks hängen viele Menschen den ganzen Tag nur rum und versuchen von dir, Geld zu erbetteln. Was mir aber besonders aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass fast keine Touristen in der Stadt unterwegs waren. Abgesehen von den Menschen in dem Krugerhaus, konnte ich die weißen Menschen in der Stadt an einer Hand abzählen. Im Zentrum von Pretoria waren wir fast die einzigen Weißen, die in der Stadt unterwegs waren. Auch Läden, die sich nach Touristen richten und zum Beispiel Postkarten verkaufen, haben wir vergebens gesucht. Nur in dem Krugerhaus konnte ich zum Glück eine Postkarte als Andenken ergattern.

Worüber ich mich aber sehr gefreut habe, waren die vielen grünen Bäume in Pretoria. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man so etwas wie Bäume mit grünen Blättern mal vermissen kann, aber anscheinend doch, denn hier in Potchefstroom gibt es leider nur ziemlich wenige grüne Bäume…Wenn man ein bisschen außerhalb vom Zentrum weg fährt, ist Pretoria auch mit vielen schönen Alleen ausgestattet, die der Stadt doch noch ein gewisses Flair verleihen. Besonders schön sind die zahlreichen Jacarandas. Vor allem im September, Oktober und November ist die Stadt in das zarte Lila der blühenden Trompetenbaumgewächse getaucht und daher konnten wir zum Glück die schönen Bäume auch sehen. Ursprünglich stammt der Baum aus dem Nordwesten Argentiniens, aber auch in Pretoria gedeiht der Baum bei dem Klima ausgezeichnet und so säumen mittlerweile 70.000 Exemplare die knapp 500 Straßenkilometer der Stadt.

In Pretoria haben wir zudem zum erstmal richtig bemerkt, was für einen Luxus wir in Deutschland gewohnt sind. Damit meine ich vor allem die Möglichkeit, zu jeder Zeit öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können. In Südafrika mangelt es nämlich sehr an öffentlichen Verkehrmitteln. Natürlich gibt es einige Züge und Busse in Südafrika, aber diese sind ziemlich begrenzt, oft nicht wirklich zuverlässig und für oftmals weiße Menschen nicht gerade ungefährlich. Zwischen Pretoria und Johannesburg gibt es eine Zuglinie mit Zügen, die sich Gautrains nennen, und diese Zuglinie konnten wir auch gut nutzen. Die Zuglinie wurde aufgrund der Fußball WM 2010 auch erst vor 6 Jahren neu erbaut und somit waren der Bahnhof und die Züge sehr modern und in jedem Wagon war ein Sicherheitsmann, weshalb wir uns auch sehr sicher gefühlt haben. Vor der Fußball WM 2010 hat Südafrika versucht, das System von öffentlichen Verkehrsmitteln zu erneuern und zu vergrößern, was aber leider nicht wirklich gut geklappt hat. Viele öffentliche Verkehrmittel, wie Busse, wurden nach der WM wieder abgeschafft oder man kann in Städten wie Pretoria Straßenbahnlinien erkennen, aber ohne irgendeine Straßenbahn darauf.

Da wir teilweise dann nicht wussten, wie wir von der einen Sehenswürdigkeit zu einer anderen kommen können, haben wir uns dazu entschlossen, die „gefährlichen“ Minitaxis auszuprobieren. Von den Minitaxis habe ich euch ja schon im letzten Beitrag erzählt. Um bei einem Minitaxi mitfahren zu können, muss man sich an den Straßenrand stellen und einfach seinen Arm ausstrecken. Dabei muss man nicht länger als 3 Minuten waren, bis ein Minitaxi angerast kommt und dich mitnehmen will. Als wir unsere Arme ausgestreckt haben, kamen ungefähr 5 Minitaxis gleichzeitig auf uns zu, die uns alle mitnehmen wollten. Eins ist sogar dabei mitten auf der Straße einfach rückwärts gefahren. Unsere „Beliebtheit“ lag denke ich wahrscheinlich daran, dass es sehr selten vorkommt, dass Weiße ein Minitaxi nehmen wollen und so haben die Fahrer wahrscheinlich ihr Geschäft des Lebens mit uns erhofft. Zuerst wollten sie auch mehr von uns für die Fahrt verlangen, als es eigentlich üblich ist, aber letztendlich konnten wir uns mit dem Fahrer auf 10 Rand pro Person einigen. 10 Rand sind umgerechnet ungefähr 70 Cent und so war diese Fahrt, die ungefähr 15 Minuten gedauert hat, die günstigste Taxi-Fahrt meines Lebens… und gleichzeitig auch die aufregendste, da Touristen eigentlich immer davor gewarnt werden, ein Minitaxi zu nehmen. Der Taxifahrer war aber sehr nett zu uns, hat extra für uns Musik angemacht und alle anderen Mitfahrer, die natürlich alle Schwarz waren, mussten sich zu fünft in eine Bank quetschen, um uns Platz zu machen. Zudem wurden wir, obwohl wir als letztes eingestiegen sind, als erstes an unser Ziel abgesetzt und der Fahrer des Minitaxis ist sogar außergewöhnlich vorsichtig gefahren 😀

Alleine würde ich ein Minitaxi auf keinen Fall nehmen, aber wenn man in einer größeren Gruppe und nicht im dunkeln unterwegs ist, stellen die Minitaxis eigentlich keine Gefahr dar.

Am Samstagabend ging es mir dann leider nicht so gut und ich hatte ziemliche Magenbeschwerden… wahrscheinlich habe ich etwas Falsches gegessen. Und so musste ich leider an dem Abend im Hostel bleiben und mich hinlegen, aber am nächsten Tag ging es mir dann zum Glück schon ein wenig besser und ich konnte mit den anderen in die Stadt gehen.

Insgesamt war das Wochenende sehr schön, aber auch sehr anstrengend und ich habe mich Sonntagabend gefreut, wieder in meinem eigenen Bett liegen zu können. Für diejenigen, die vielleicht mal nach Südafrika reisen wollen, würde ich euch Pretoria aber nicht gerade empfehlen. Wenn man länger in Südafrika ist, lohnt es sich auf jeden Fall, die Hauptstadt zu besuchen, aber wenn man nur für einen dreiwöchigen Urlaub hier ist, lohnt es sich nicht, hier her zu kommen. Südafrika hat eine viel schönere Natur und Landschaft zu bieten! Vor allem wenn man europäische Städte mit kleinen Gassen, schönen Einkaufspassagen, süßen Cafes und guten Restaurants gewohnt ist, wird man in Südafrika solche Städte vergeblich suchen und zumindest in Pretoria kann man dann sehr enttäuscht werden. Leider besitzen hier in Südafrika viele Städte ein besonders schönes Flair, wie es Städte in Europa mit ihren alten Gebäuden und süßen Gassen mit kleinen Läden haben, leider nicht und daher sollte man meiner Meinung nach auch nicht nach Südafrika reisen, wenn man sich Städte angucken möchte.

Linksverkehr

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Wie ihr der Überschrift ja bereits entnehmen konntet: in Südafrika herrscht Linksverkehr. Am Anfang hatte ich deswegen schon ein wenig Angst vor dem Autofahren, aber wir durften auch noch nicht sofort alleine ein Auto fahren. Wir mussten zunächst an einer Theoriestunde und dann an einer daran anschließenden Praxisstunde teilnehmen, um gut auf den südafrikanischen Straßenverkehr vorbereitet zu sein. Dies ist besonders wichtig für unser Projekt, da wir ungefähr jeden Tag ca. 2-3 Stunden mit dem Auto unterwegs sind. So durften wir auch die südafrikanische Fahrschule bereits am ersten Arbeitstag besuchen. Die Theoriestunde war sogar noch langweiliger hier, als die in Deutschland, denn wir mussten uns einen zweistündigen Film angucken, der aus den 80er-Jahren stammte…

Die Verkehrsregeln in Südafrika sind recht identisch mit denen in Deutschland. Die einzige große Ausnahme besteht jedoch darin, dass es größtenteils kein „rechts vor links“ gibt. Dafür weisen sehr viele Kreuzungen an jeder Straße ein Stoppschild auf. Bei solchen Kreuzungen darf dann derjenige als erstes fahren, der als erster an der Haltelinie zum Stehen gekommen ist. Zuerst habe ich mir dabei gedacht, dass so eine Regel in der Praxis nie funktionieren kann, aber als ich dann Auto fahren durfte, konnte ich schnell feststellen, dass dem nicht so ist.

Die Praxisstunde war zum Glück aber wesentlicher besser, als die in Deutschland. Zuerst sind wir zu einem Freund des Fahrlehrers gefahren, um diesem Patronenhülsen für sein Gewehr vorbei zu bringen, was ehrlich gesagt sehr seltsam war 😀 Danach hat er uns zu einem Fleischspieß und zu einem Pfannekuchen am Straßenrand eingeladen und zum Schluss sind wir noch zu ihm nach Hause gefahren, weil er uns seine Oldtimer und Motorradsammlung präsentieren wollte. Ich hatte keine Probleme damit, auf der linken Straßenseite zu fahren. Anfangs habe ich nur oft den Scheibenwischer angestellt, obwohl ich eigentlich blinken wollte oder ich wollte auf der Beifahrerseite anstatt auf der Fahrerseite einsteigen. Wenn ich nicht so gut aufpasse, kann es manchmal noch passieren, dass ich auf einem Parkplatz auf der rechten Seite fahre, aber nach ca. 3 Wochen ist für mich der Linksverkehr so normal geworden wie es vorher der Rechtsverkehr war und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, auf der rechten Seite mit dem Auto zu fahren. Das wird dann in einem Jahr noch mal eine große Umstellung für mich werden… 😀

Das schlimmste am südafrikanischen Straßenverkehr sind jedoch eindeutig die vielen Minitaxis, die größtenteils zwischen der Stadt und dem Township außerhalb hin und her fahren. Unter südafrikanischen Minitaxis muss man sich furchtbar unkomfortable, lebensgefährliche, zumeist nicht TÜV-zertifizierte, aber dafür recht lustige Kleinbusse vorstellen, die alle Straßenregeln missachten und sich mit einem nicht erlaubten und sehr gefährlichen Tempo zwischen dir herschlängeln. Zudem sind die Taxis oft die Hauptverursacher von Unfällen. Insgesamt ist der Straßenverkehr aber sehr interessant zu beobachten, da ziemlich viele Autos auf den Straßen unterwegs sind, die unter deutschen Bedingungen schon gar nicht mehr zugelassen wären oder auf den vielen Pick-ups sitzen hinten 6 Menschen eingequetscht, manchmal auch Tiere oder auch viele Sachen, die jeden Moment vom Runterfallen bedroht sind.

Spenden

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich hoffe, dass ihr durch meinen letzten Beitrag schon einen guten Einblick in mein Projekt und meine Arbeit dort gewinnen konntet. Da mir das Projekt wirklich sehr am Herzen liegt und ich weiß, dass es auf jede Art von Spenden angewiesen ist, möchte ich noch diesen Beitrag bezüglich des Themas Spenden verfassen. Das Projekt macht für die Menschen im Township von Ikageng einen großen Unterschied. Das Ziel von Bafenyi ist es, besonders die Situation der Kinder zu verbessern, um so langfristig eine zukünftige und nachhaltige Veränderung im Township in den Gang setzen zu können. Doch für diesen Prozess bedarf es neben sozial und freiwillig engagierten Menschen eben auch Geld, um die verschiedenen Programme bei Bafenyi umsetzen zu können. So möchte ich auch selbst durch Spenden ein wenig dazu beitragen, etwas verbessern zu können. Aktuell habe ich eine Spende erhalten, durch diese ich eine Vorschule verschönern kann. Die Vorschule sieht bisher nicht aus wie eine Vorschule. Die Wände sind alle grau/braun und die Vorschule, die zum Teil aus einer Wellblechhütte besteht, sieht insgesamt sehr trostlos aus. Mit bunter Farbe, die ich durch diese Spende kaufen konnte, werde ich nun die Wände verschönern und ich hoffe, dass die Vorschule dadurch freundlicher und heller erscheinen wird. Doch ich wünsche mir, dass nicht nur dieses Projekt mein einziges in dem Jahr bleibt. Es gibt sehr viele Vorschulen, denen noch notwenigere Dinge wie Lebensmittel, ein undurchlässiges Dach, Fenster, Spielgeräte, Sanitäranlagen und so weiter fehlen. Und genau diesen möchte ich durch Spenden gerne helfen! Wenn man selbst etwas durch eure Hilfe verändern kann, wäre das großartig! Und man kann die Freude der Lehrerinnen und der Kinder gar nicht in Worte fassen, wenn man ihnen sagt, dass etwas an ihrer Schule erneuert wird oder dass sie etwas Neues erhalten. So haben wir zum Beispiel letztens von einer örtlichen Toastfirma eine Spende erhalten, die beinhaltet, dass wir jeden Tag für die Vorschulen 50 Toastpackungen erhalten. Die Lehrerinnen waren einfach nur außer sich vor Freude, was toll zu sehen war. Auch wenn es nur kleine Spenden sind, alles wird hier benötigt!

Wenn ihr etwas spenden möchtet, werde ich euch natürlich auch darüber informieren, was genau ich aus den Spenden gemacht habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich einige Spenden erhalten kann. Hier noch die Kontoverbindung meines Spendenkontos:

IBAN: DE91 4016 4352 0018 7696 02

Ganz liebe Grüße – Eure Hannah

Hier noch einige Bilder, die während des Streichens der Vorschule aufgenommen wurden:

Bafenyi Trust

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Mein Projekt, welches ich das nächste Jahr als Freiwillige unterstützen werde, nennt sich „Bafenyi Trust“. Das Projekt wurde vor ungefähr 6 Jahren von meiner Chefin Elsa Coetzee ins Leben gerufen. Bis vor 1 ½ Jahren hatte das Projekt auch noch nicht mal ein eigenständiges Büro und so wurde bei Elsa zu Hause gearbeitet. Nun befindet sich das Büro aber auf dem Gelände der Vorschule „New Life“ im Township von Ikageng. Elsa’s Familie ist übrigens sehr wohlhabend. Ihr Mann Gerrit arbeitet als Anwalt und gilt als einer der Reichsten hier in Potchefstroom. Dementsprechend ist das Haus von Elsa und ihrem Mann, welches im Villenviertel von Potchefstroom liegt, sehr groß. Ich war wirklich ziemlich beeindruckt von dem Haus und den daran anschließenden Tennisplätzen, dem Pool und dem kilometerweiten Garten. Dennoch hat das Haus einen sehr schönen natürlichen Landhausstil und es sieht nicht „protzig“ oder dekadent aus, wie viele andere Häuser in der Nachbarschaft von Elsa. Zu dem Thema, wie sie damit umgehen kann, in dem sehr armen Township zu arbeiten und dann wieder am Ende des Tages in ihre Villa nach Hause zu fahren, möchte uns Elsa zu einem richtigen Zeitpunkt ein bisschen mehr erzählen. Zu diesem meiner Meinung nach sehr interessantem Thema werde ich euch dann noch etwas berichten. Aber ich finde es trotzdem sehr lobenswert und beeindruckend, wie sich Elsa und ihre Familie für das Projekt einsetzen und den Menschen im Township helfen wollen. Ohne die meist sehr große finanzielle Unterstützung ihres Mannes würde es das Projekt in dieser Form wahrscheinlich auch gar nicht geben und ich finde es großartig von Elsa, dass sie als einer der Reichen hier in Potchefstroom nicht die Augen vor den umliegenden Problemen verschließt, sondern aus eigener Kraft versucht, die Situation im Township zu verbessern.

Mein Projekt bezieht sich auf die Vorschulen – vergleichbar mit den Kindergärten in Deutschland – im Township. So sind die Kinder in den Vorschulen ein paar Monate oder die Ältesten 7 Jahre alt. Bafenyi arbeitet mit über 50 Vorschulen in Ikageng zusammen, wobei eine Vorschule auch des Öfteren aus 12 Kindern in einer Wellblechhütte bestehen kann. Einige Vorschulen haben dabei keine Elektrizität oder auch keine sanitären Anlagen. In Ikageng gibt es ungefähr 17.000 Kinder unter 6 Jahre, wobei aber nur 4.000 von denen die Vorschulen besuchen, was ebenfalls ein großes Problem darstellt, da die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder zu Hause nicht ausreichend gefördert werden und so sieht man in Ikageng auch sehr viele Kleinkinder einfach alleine auf den Straßen herumlaufen. Viele von ihnen spielen im Müll oder halten sich an verseuchten Wassergruben auf. Einige von ihnen besuchen dann auch noch nicht mal die Schulen, wenn sie 7 Jahre alt werden, wie zum Beispiel ein Junge, der in einer Wellblechhütte neben unserem Büro lebt. Der Junge ist 8 Jahre alt und hat die Schule bisher noch nicht besucht, weil die Eltern kein Geld für eine Schulkleidung haben. Wir haben dann für ihn die Schulkleidung gekauft und uns darum gekümmert, dass er nun zur Schule gehen kann. Aber Fälle wie diese sind in Ikageng keine Einzelfälle, was mich ziemlich geschockt hat, da so die Armut wie in einem „Teufelskreis“ von Generation zu Generation weiter gereicht wird, denn ohne eine Schulausbildung stehen die eh schon schlechten Arbeitsaussichten bei gleich null.

Das Problem, welches Bafenyi in erster Linie zu lösen versucht, ist das, dass viele der Erzieherinnen in den Vorschulen keine pädagogische Ausbildung haben und so oft nicht wissen, was sie mit ihren Kindern machen können und wie wichtig die frühe Förderung für das gesamte Leben der Kinder ist. An dieser Stelle kommt Bafenyi ins Spiel. Ungefähr 3 Mal wöchentlich werden Workshops vorbereitet, in denen die Erzieherinnen ein Programm aus Mathe, „Life Skills“, Basteln und so weiter gestellt bekommen, welches sie dann in der nächsten Woche mit ihren Kindern durchführen können. Diese Workshops werden für die verschiedenen Altersklassen der Kinder angeboten. So gibt es die Altersklasse „Baby Class“ (0-2 Jahre), die Altersklasse „Middle Class“ (3-5 Jahre) und die Ältesten sind die „Grade R’s“ (5-7 Jahre). So bezieht sich mein Projekt in erster Linie auch auf die Erzieherinnen, mit denen wir in einem engeren Kontakt stehen, als direkt mit den Kindern in den Vorschulen. Jedoch soll das Programm von Bafenyi natürlich den Kindern zu Gute kommen!

Anna und ich unterstützen Retha und Deanne bei der Durchführung der Workshops, indem wir zum Beispiel die Unterrichtsmaterialen für die Erzieherinnen zusammenstellen, die „Art Activities“ vorbereiten oder andere Materialien für den Unterricht erstellen, die dann in den Workshops den Erzieherinnen ausgeteilt werden. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich am Ende dieses Jahres bestimmt sehr für ein Kunst-Studium geeignet sein werde 😀 Diese Woche haben wir beispielsweise über 50 Puzzel für die Kinder gebastelt oder kleine Bücher zusammengestellt, da das Thema der Woche Bücher war. So sind wir auch diese Woche mit den Erzieherinnen in 2 Büchereien des Townships gefahren, um sie dazu zu motivieren, die Büchereien in Zukunft auch mit ihren Kindern zu besuchen.

Eine sehr wichtige und zeitintensive Aufgabe bezüglich der Workshops ist zudem noch der Transport. So fährt jeder von uns einen großen Toyota Avanza und 2 davon sind sogar nagelneu. Der etwas ältere Toyota steht uns auch privat zur Verfühung. Das Township ist sehr groß und da die Vorschulen teilweise mit dem Auto bis zu einer ¾ Stunde entfernt von unserem Büro sind, müssen wir die Erzieherinnen immer mit dem Auto abholen und sie nach dem Workshop auch wieder nach Hause bringen, da sie selbst kein Auto haben oder sich auch kein Taxi leisten können. Diese Aufgabe ist komplizierter und schwieriger als ich gedacht habe, da das Township ein riesiges Labyrinth für mich darstellt. Mit der Zeit finde ich mich nun schon besser zurecht, aber letzte Woche bin ich auch einmal im Township verloren gegangen und ich wusste nicht mehr, wo ich mit dem Auto gerade war. In diesem Moment habe ich mich schon ziemlich hilflos und alleine gefühlt, aber Retha konnte mich dann per Handyanruf ganz gut wieder aus dem Labyrinth herausführen 😀 Und wenn man es erstmal bis zur ersten Vorschule geschafft hat, kann die Erzieherin, die man dann mitnimmt, dir auch ganz gut den Weg zu den anderen Vorschulen beschreiben. Manche von ihnen können aber ziemlich schlecht Englisch und dann sind die Autofahrten manchmal auch sehr abenteuerlich und eine echte Herausforderung.

Ich bin übrigens überzeugt davon, dass diese Arbeit eines Tages einen großen Unterschied machen wird und es ist immer wieder schön, wenn man in eine Creche kommt und zwanzig Kinder einem strahlend und voller Begeisterung das fertige Puzzel entgegen halten, über das man selbst gestern noch saß. Zudem ist es sehr bewundernswert, wie Deanne, Retha oder Elsa Spielzeuge oder Lernmaterialien aus für unsere Augen geltender Müll herstellen können. Aus den einfachsten Dingen wie Yoghurtbecher oder Plastiklöffel können sie pädagogisches Spielzeug schaffen. Dies ist auch für die Erzieherinnen besonders wichtig, da solche Materialien für sie sehr günstig und einfach zu bekommen sind.

Das Programm, welches sich auf die Workshops bezieht, nennt sich übrigens bei uns „Dinaledi-Programme“. Aber natürlich basteln wir nicht ausschließlich! Bafenyi bietet auch noch zwei weitere Programme an, die ebenfalls sehr interessant sind. So hilft Lino Maxine bei der Buchhalten und den Finanzen der Vorschulen, was glaube ich auch sehr anstrengend sein kann. Zudem unterstützen wir das so genannte „Kwala-Programme“, welches sich auf das Management und die administrativen Aufgaben bezieht. Zusätzlich beinhaltet das Programm auch noch die Durchführung von Computer-Kursen. Denn viele der Erzieherinnen oder auch die Leiterinnen der Vorschulen wissen nicht, wie man mit Computern umgehen soll oder sie haben keinen Zugang zu Computern, zu Druckern oder zu einem Internetanschluss.

Das dritte Programm nennt sich „Diatla Programme“, bei dem unser künstlerisches und handwerkliches Talent gefragt ist. So sind wir immer zur Stelle, wenn eine Schule verschönert werden muss und schwingen eifrig den Pinsel oder bringen Bilder, Garderoben oder andere Sachen an die Wände an. Besonders bei diesem Programm bekommen wir jedes Jahr Unterstützungen von anderen Freiwilligen, die zum Beispiel hier von der Universität in Potchefstroom oder auch von Schulen in Schweden kommen. Denn manche Schulen benötigen nicht nur einen schönen neuen Anstrich, sondern auch oft ein neues Dach, neue Spielgeräte für draußen und und und…

Am Freitag waren zum Beispiel Studenten der Universität in Potchfstroom da, um uns bei der Verlegung von Rollrasen zu helfen. Das sind für uns immer gute Gelegenheiten, um mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können.

Wir unterstützen die Vorschulen auch dabei, sich für eine staatliche Unterstützung zu bewerben, wir fahren die Leiterinnen in die Stadt und begleiten sie dabei. Wir sind zudem zuständig für die Einkäufe, die wir für die verschiedenen Programme benötigen oder wir helfen den Vorschulen dabei, ihren Lebensmitteleinkauf für die Kinder zu erledigen. Insgesamt sind wir aber auch für die ganze Community im Township da. So können alle Menschen aus Ikageng zu uns kommen, wenn sie Probleme haben und wir versuchen immer, diese zu lösen, aber leider fehlen uns manchmal die Mittel dazu… Aber oft sind die Menschen schon sehr glücklich, wenn wir ihnen wichtige Dokumente kopieren, Lebensläufe abtippen und diese ausdrucken oder wenn wir sie in die Stadt fahren, sodass sie zum Beispiel Schulkleidung für ihre Kinder kaufen können.

Teilweise betreuen wir auch die Kinder und helfen den Lehrerinnen, auf sie aufzupassen. Dabei sind wir drei das absolute Highlight der Kinder und wir werden immer von allen in Beschlag genommen. Wenn man als Weiße in eine Vorschule kommt, sind die Kinder oft erst ein bisschen irritiert, da dies sehr selten vorkommt, aber wenn man ihnen dann zuwinkt, sind alle total begeistert und man hat plötzlich 10 Kinder an einem kleben, die alle „sharp sharp“ machen wollen. Dabei drückt man den einen Daumen gegen den des anderen als eine Art Hallo- oder Okay- Zeichen. Aber besonders angetan sind die Kinder von meinen blonden Haaren und sie wollen diese immer berühren 😀

So kann man schon sagen, dass unsere Aufgaben sehr vielseitig sind und im Prinzip vom Krankentransport bis hin zum Basteln alles dabei sein kann. Deswegen gefällt mir mein Projekt auch sehr gut und es ist schön zu sehen, wie man allmählich persönliche Beziehungen zu den Lehrerinnen aufbaut. Alle sind sehr herzlich und liebevoll und daher gibt dir auch keiner hier die Hand. Als wir ihnen vorgestellt wurden, hat uns sofort jede der Lehrerinnen umarmt und uns einen dicken Kuss auf die Wange gedrückt und natürlich mussten wir mit vielen von ihnen ein Foto für ihr neues Whatsapp-Profilbild machen 😀 Aber auch Bafenyi mit Elsa, Deanne, Maxine und Retha ist zu einer großen Familie geworden und man fühlt sich hier gut aufgenommen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, bei Bafenyi gelandet zu sein, denn Bafenyi besteht aus einem Team mit großartigen Menschen, die einen sehr unterstützen und uns den Start in Potchefstroom so leicht wie möglich gestalten. Wir haben jeden Tag bisher viel Spaß zusammen und auch in der Freizeit machen wir hin und wieder etwas zusammen. So sind wir Montag Abend zum Beispiel bei Deanne zum Essen eingeladen.

Trip to Pilanesberg

Heute möchte ich euch noch von unserem ersten Wochenendtrip in den Pilanesberg-National-Park berichten! Samstagmorgens haben Lino, Marvin, Anna und ich uns zusammen mit 5 weiteren Freiwilligen des Abraham Kriel Kinderheims hier in Potchefstroom auf den Weg nach Rustenburg gemacht. Die Stadt, in der wir uns eine schöne Unterkunft gebucht haben, liegt in der ungefähren Nähe des Safari-Parks. Als wir gegen Spätnachmittag dort ankamen, haben wir nur kurz unser Gepäck abgeladen und sind weiter in den Safari-Park gefahren, denn am besten unternimmt man einen Game Drive entweder gegen Abend, wenn die Sonne unter geht oder Morgens, wenn die Sonne aufgeht, da die Wahrscheinlichkeit dann am größten ist, besonders einfach und schnell viele Tiere sehen zu können. Die Safari-Tour war wirklich traumhaft schön und die Landschaft atemberaubend! Der Ausblick von den Bergen auf den National-Park und die Stille, die dort herrscht, sind einfach nur unglaublich und so viele wilde Tiere hautnah vor deinem Auto sehen zu können, war ein einzigartiges Erlebnis, welches ich sicher nicht so schnell vergessen werde. Um nach Rustenburg und in den Safari-Park kommen zu können, mussten wir jeweils 2 Autos mieten, da Anna, Lino und ich unser eigenes Auto leider nur in Potchefstroom und in der näheren Umgebung davon nutzen dürfen. Zudem wäre das Auto für 9 Personen leider eh zu klein gewesen. Anna, Lino, Marvin und ich haben uns zusammen einen kleinen Toyota als Auto geteilt, was im nachhinein nicht die klügste Auto-Entscheidung war, da das Auto nicht so gut für Safari-Touren geeignet gewesen ist, denn die Straßen – wenn man sie überhaupt Straßen nennen kann – waren nicht asphaltiert. Sie gingen teilweise querfeld ein und waren mit Schlaglöchern übersäht. Die anderen Besucher waren meistens mit Range Rowers oder anderen großen Safari-Autos unterwegs und haben uns dann teilweise sehr belustigt oder auch perplext angeschaut, als wir mit unserem keinen Toyota vorbei gefahren sind :D. Aber zum Glück konnten wir uns überhaupt ein Auto bei einer Autovermietung leihen, denn es ist in Potchefstroom ein bisschen schwierig, unter 21 ein Auto anmieten zu können. Da aber Marvin schon 26 ist, war das für uns kein Problem. So durfte eigentlich nur Marvin aus versicherungstechnischen Gründen das Auto fahren, aber im Safari-Park hat er teilweise mit Lino getauscht und auch ich konnte mich nach langem hin und her endlich bei den Jungs durchsetzten und so bin ich das Auto im Safari-Park auch gefahren, was wirklich viel Spaß gemacht hat! Genau vor unserem Auto lief nämlich dann eine Elefanten Herde entlang, und auch Zebras oder Giraffen standen nur Zentimeter entfernt vor unserem Auto. Insgesamt konnten wir viele der Tiere der so genannten „Big Five“ sehen. Die „Big Five“ sind die am schwersten zu bezwingenden Tiere und nicht die Tiere, die am größten sind, wie viele glauben. Zu den „Big Five“ gehören: Elefant, Löwe, Nashorn, Leopard und Büffel. Diese Tiere sind übrigens auch auf den Südafrikanischen Geldscheinen abgedruckt. Leider haben wir keine Löwen oder Leoparden gesehen…aber um diese sehen zu können, gehört meistens ziemlich viel Glück dazu. Ich hoffe, dass ich das dann im Krüger Nationalpark oder in einem anderen Safari-Park nachholen kann.

Am Abend sind wir dann zu unserer Unterkunft zurück gefahren und haben uns dort mit unseren bestellten Pizzen noch an der Bar zusammengesetzt. Für Lino endete der Abend jedoch leider nicht so gut, da dieser mit dem Fuß umgeknickt ist und sich einen Bänderriss zugezogen hat, wie es sich am nächsten Abend darauf in der Klinik in Potchefstroom herausstellte. An dieser Stelle kann ich nur sagen, dass ich hoffe, nie in diesem Jahr hier krank zu werden, da ich mit Lino in der Klinik ca. 4 Stunden warten musste, bis er endlich dran kam! Nachdem wir am Samstagabend dann Lino verarzt hatten, sind wir dann doch relativ früh ins Bett gegangen, da wir am nächsten Tag um 5 Uhr aufstehen wollten, um früh genug zum Sonnenaufgang im Safari-Park sein zu können. Als wir dann am nächsten Tag so gegen 19 Uhr wieder zu Hause waren, mussten wir leider noch ein bisschen das Auto sauber machen, da dieses ziemlich verdreckt war. Überall hing der rote Staub/Sand am Auto und auch von innen habe ich ein Auto noch nie so verdreckt gesehen wie es dieses war.

Zusammenfassend war der Wochenend-Trip ein sehr gelungenes, wunderschönes und aufregendes Erlebnis, wie ihr wahrscheinlich auf den Bildern sehen könnt.

Weitere und qualitativ schönere Bilder werde ich morgen oder übermorgen noch hochladen, falls ich die dann von Marvin bekommen habe. 🙂

Liebe Grüße nach Deutschland! Fühlt euch gedrückt von mir!  – Eure Hannah

 

The first days and our new home

Am Samstag, den 20 August 2016, kamen wir endlich in Potchefstroom und somit in unserem neuen Zuhause an! Das Haus, in dem wir für das Jahr wohnen werden, ist sehr groß und schön. Und es wurde ganz neu für uns als die ersten Freiwilligen in dem Haus angemietet. Das Haus ist sehr zentral gelegen, aber dennoch in einem schönen und ruhigen Wohngebiet. Einige Wohngebiete hier – wie in dem wir wohnen – kann man mit denen in Deutschland vergleichen, nur jedes Haus ist von einem hohen Zaun umgeben, um es vor Einbrechern zu schützen. Auch wir haben einen, nur keinen mit Stacheldraht oder auch keinen Elektrozaun, wie es einige hier haben. Bisher ist alles noch ein bisschen kühl eingerichtet, aber das wollen wir noch in den nächsten Wochen zusammen ein bisschen verändern. Insgesamt ist das Haus in 9 Zimmern aufgeteilt. Wir haben ein sehr großes Ess- und Wohnzimmer, an dem eine geräumige Küche und ein Waschraum anschließt. Zudem haben wir zwei Badezimmer, 3 Einzelzimmer und ein Doppelzimmer. Leider müssen sich bei uns 2 Personen ein Zimmer teilen. Da sich bei der Zimmeraufteilung natürlich keiner freiwillig für das Doppelzimmer gemeldet hat, haben wir Zettel gezogen. Die Zettel mit dem Doppelzimmer haben zuerst Anna und Marvin gezogen, die sich jetzt für die ersten 4 Monate ein Zimmer teilen müssen. Danach wechseln wir die Zimmer wieder. Vor unserem Haus haben wir noch einen schönen Vorgarten und eine Garage für unsere 2 Autos und hinter unserem Haus befindet sich noch ein so genanntes Braai-Haus (Grillhaus), was wir alle ziemlich cool finden. Auf unserem Grundstück wohnt zudem noch in einem separaten kleinen Haus Johanna mit ihrem Ehemann (ich habe leider gerade seinen Namen vergessen…). Die beiden sind super nett und Johanna arbeitet bei dem Kinderheim Abraham Kriel, von dem wir unser Essen erhalten. Zudem kümmert sich das Kinderheim noch um die weiteren Dinge wie Küchenutensilien, Fahrräder und das Wlan, welches hier aber leider ein bisschen begrenzt ist… Glücklicherweise kommt zudem noch jede Woche zweimal eine Putzfrau vom Kinderheim zu uns, die für uns die Küche, die Bäder und das Wohnzimmer putzt, da das Haus mit 5 Personen wirklich ziemlich schnell dreckig wird und immer sehr viel gebrauchtes Geschirr in der Küche herumliegt, was mich teilweise ziemlich stört, da ich Unordnung und Dreck nicht wirklich toll finde… 😀 Leider haben wir auch keine Spülmaschine… Aber sonst ist das Haus ziemlich gut ausgestattet!

An dieser Stelle muss ich auch zugeben, dass ich mir das WG-Leben vorher ein bisschen einfacher vorgestellt habe. Anfangs war es schon eine kleine Umstellung, sich selbst um den Haushalt zu kümmern und mit mehreren Personen, die man noch nicht richtig kennt und die unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit und Ordnung haben, zusammen zu wohnen. Anbei auch ein großes Dankeschön an meine Mama, die bisher immer so viel für mich gemacht hat und sich um unseren Haushalt gekümmert hat. Jetzt weiß ich deine Mühen wirklich zu schätzen! 😀

Nach unserer Ankunft hat uns Retha, einer unserer neuen Arbeitskolleginnen, zu sich zu einem Braai nach Hause eingeladen. Neben Retha arbeiten noch Deanne und Maxine bei Bafenyi, meinem Projekt, und natürlich Elsa, die unsere „Chefin“ ist, aber ihre Arbeit bei Bafenyi in Zukunft ein bisschen reduzieren will. Deanne und Maxine sind ungefähr erst Mitte 20, was für uns ganz cool ist. Jedoch sind alle 4 super nett, warmherzig und sehr hilfsbereit und man fühlt sich sehr gut aufgenommen und ich denke, dass die 4 eine tolle „Ersatzfamilie“ darstellen werden. Zu dem Braai kamen zudem noch Retha’s Mann Dawid und Tochter Marie sowie Elsa’s Mann Gerrit. Schnell konnten wir an diesem Nachmittag feststellen, dass der Braai für die Südafrikaner einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen sowie ein Stück gesamtsüdafrikanischer Identität und  Kultur ist. Beim Braai wird jedes Mal ein Mann zum Braaimaster auserkoren, was bei uns Retha’s Mann war. Nun er war zuständig für das Fleisch, sonst kein anderer und eine Frau hat nach südafrikanischer Tradition am Braai nichts verloren, Frauen dürfen lediglich das Fleisch aus dem Kühlschrank nehmen, das Fleisch vormarinieren und es auf Tellern oder Tabletts an den Braai tragen. Damit hört dann auch die weibliche Einmischung in den Braai auf und die Frauen dürfen sich noch um die Salate und Brote kümmern. Nicht nur an den Braai-Regeln, sondern auch daran, wie geschockt alle gewesen waren, als wir ihnen erzählt haben, dass ein Mädchen und ein Junge sich bei uns im Haus ein Zimmer teilen müssen, konnten wir erkennen, dass viele Südafrikaner sehr konservativ sind. Sie konnten sich ebenfalls nicht vorstellen, dass es in Deutschland gemischte Umkleiden oder einen FKK-Strand gibt… 😀

Für alle die, die nicht wisse, wie wir uns verständigen können: Unsere „Arbeitskollegen“ sind alle weiß und daher ist deren Muttersprache Afrikaans. Trotzdem können aber alle hier Englisch – die meisten Weißen aufgrund ihrer Bildung besser als die Schwarzen –, weil es so viele verschiedene Sprachen in Südafrika gibt und daher wird Englisch als die Sprache gesprochen, die alle können (sollen). Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, dass meine Bezeichnungen von „Schwarz“ und „Weiß“ rassistische Züge mit sich ziehen, aber jemanden anhand seiner Hautfarbe zu beschreiben oder einzuteilen ist in Südafrika nicht notgedrungen rassistisch. In Südafrika gibt die Hautfarbe nicht nur Auskunft über das Aussehen, sondern auch über den Herkunftsort, die Sprache, die Religion und die Tradition der Menschen. Pauschaleinordnungen wie „Ausländer“ kennen wir auch, nur teilen wir daheim nicht in Black, Jewish, Cape Coloured oder Afrikaans ein. Südafrikaner haben zudem mit den Worten schwarz, weiß und farbig, im Gegensatz zu uns Europäern, keine Berührungsängste. Schwarze haben kein Problem zu sagen, dass sie schwarz sind, und man ist stolz darauf, ein Zulu, ein Cape Coloured oder ein weißer Südafrikaner zu sein.

Nachdem wir den Braai, der übrigens sehr lecker, aber unglaublich Fleisch lastig war, haben wir noch ein bisschen Rugby geguckt. Besonders die weißen Südafrikaner sind verrückt nach Rugby und die Spiele am Wochenende sind immer ein großes Event für alle.

Am nächsten Tag haben wir noch bei uns Zuhause eine kleine Einweihungsfeier gegeben, bei der wir ebenfalls einen Braai veranstaltet haben. Zu unserer Feier kamen unsere beiden Nachbarn und die restlichen Freiwilligen, die ebenfalls in Potchefstroom – aber jedoch bei unterschiedlichen Projekten – arbeiten. Insgesamt sind wir in Potchefstroom 13 Freiwillige, was ganz cool ist, da man so mit mehreren Leuten viel unternehmen oder sich treffen kann. Am Montag darauf fing dann unsere erste Arbeitswoche bei Bafenyi an, von der ich auch bald noch ausführlich berichten werde.

Bis dahin ganz liebe und sonnige Grüße hier aus Südafrika! – Eure Hannah