Bafenyi Trust

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Mein Projekt, welches ich das nächste Jahr als Freiwillige unterstützen werde, nennt sich „Bafenyi Trust“. Das Projekt wurde vor ungefähr 6 Jahren von meiner Chefin Elsa Coetzee ins Leben gerufen. Bis vor 1 ½ Jahren hatte das Projekt auch noch nicht mal ein eigenständiges Büro und so wurde bei Elsa zu Hause gearbeitet. Nun befindet sich das Büro aber auf dem Gelände der Vorschule „New Life“ im Township von Ikageng. Elsa’s Familie ist übrigens sehr wohlhabend. Ihr Mann Gerrit arbeitet als Anwalt und gilt als einer der Reichsten hier in Potchefstroom. Dementsprechend ist das Haus von Elsa und ihrem Mann, welches im Villenviertel von Potchefstroom liegt, sehr groß. Ich war wirklich ziemlich beeindruckt von dem Haus und den daran anschließenden Tennisplätzen, dem Pool und dem kilometerweiten Garten. Dennoch hat das Haus einen sehr schönen natürlichen Landhausstil und es sieht nicht „protzig“ oder dekadent aus, wie viele andere Häuser in der Nachbarschaft von Elsa. Zu dem Thema, wie sie damit umgehen kann, in dem sehr armen Township zu arbeiten und dann wieder am Ende des Tages in ihre Villa nach Hause zu fahren, möchte uns Elsa zu einem richtigen Zeitpunkt ein bisschen mehr erzählen. Zu diesem meiner Meinung nach sehr interessantem Thema werde ich euch dann noch etwas berichten. Aber ich finde es trotzdem sehr lobenswert und beeindruckend, wie sich Elsa und ihre Familie für das Projekt einsetzen und den Menschen im Township helfen wollen. Ohne die meist sehr große finanzielle Unterstützung ihres Mannes würde es das Projekt in dieser Form wahrscheinlich auch gar nicht geben und ich finde es großartig von Elsa, dass sie als einer der Reichen hier in Potchefstroom nicht die Augen vor den umliegenden Problemen verschließt, sondern aus eigener Kraft versucht, die Situation im Township zu verbessern.

Mein Projekt bezieht sich auf die Vorschulen – vergleichbar mit den Kindergärten in Deutschland – im Township. So sind die Kinder in den Vorschulen ein paar Monate oder die Ältesten 7 Jahre alt. Bafenyi arbeitet mit über 50 Vorschulen in Ikageng zusammen, wobei eine Vorschule auch des Öfteren aus 12 Kindern in einer Wellblechhütte bestehen kann. Einige Vorschulen haben dabei keine Elektrizität oder auch keine sanitären Anlagen. In Ikageng gibt es ungefähr 17.000 Kinder unter 6 Jahre, wobei aber nur 4.000 von denen die Vorschulen besuchen, was ebenfalls ein großes Problem darstellt, da die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder zu Hause nicht ausreichend gefördert werden und so sieht man in Ikageng auch sehr viele Kleinkinder einfach alleine auf den Straßen herumlaufen. Viele von ihnen spielen im Müll oder halten sich an verseuchten Wassergruben auf. Einige von ihnen besuchen dann auch noch nicht mal die Schulen, wenn sie 7 Jahre alt werden, wie zum Beispiel ein Junge, der in einer Wellblechhütte neben unserem Büro lebt. Der Junge ist 8 Jahre alt und hat die Schule bisher noch nicht besucht, weil die Eltern kein Geld für eine Schulkleidung haben. Wir haben dann für ihn die Schulkleidung gekauft und uns darum gekümmert, dass er nun zur Schule gehen kann. Aber Fälle wie diese sind in Ikageng keine Einzelfälle, was mich ziemlich geschockt hat, da so die Armut wie in einem „Teufelskreis“ von Generation zu Generation weiter gereicht wird, denn ohne eine Schulausbildung stehen die eh schon schlechten Arbeitsaussichten bei gleich null.

Das Problem, welches Bafenyi in erster Linie zu lösen versucht, ist das, dass viele der Erzieherinnen in den Vorschulen keine pädagogische Ausbildung haben und so oft nicht wissen, was sie mit ihren Kindern machen können und wie wichtig die frühe Förderung für das gesamte Leben der Kinder ist. An dieser Stelle kommt Bafenyi ins Spiel. Ungefähr 3 Mal wöchentlich werden Workshops vorbereitet, in denen die Erzieherinnen ein Programm aus Mathe, „Life Skills“, Basteln und so weiter gestellt bekommen, welches sie dann in der nächsten Woche mit ihren Kindern durchführen können. Diese Workshops werden für die verschiedenen Altersklassen der Kinder angeboten. So gibt es die Altersklasse „Baby Class“ (0-2 Jahre), die Altersklasse „Middle Class“ (3-5 Jahre) und die Ältesten sind die „Grade R’s“ (5-7 Jahre). So bezieht sich mein Projekt in erster Linie auch auf die Erzieherinnen, mit denen wir in einem engeren Kontakt stehen, als direkt mit den Kindern in den Vorschulen. Jedoch soll das Programm von Bafenyi natürlich den Kindern zu Gute kommen!

Anna und ich unterstützen Retha und Deanne bei der Durchführung der Workshops, indem wir zum Beispiel die Unterrichtsmaterialen für die Erzieherinnen zusammenstellen, die „Art Activities“ vorbereiten oder andere Materialien für den Unterricht erstellen, die dann in den Workshops den Erzieherinnen ausgeteilt werden. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich am Ende dieses Jahres bestimmt sehr für ein Kunst-Studium geeignet sein werde 😀 Diese Woche haben wir beispielsweise über 50 Puzzel für die Kinder gebastelt oder kleine Bücher zusammengestellt, da das Thema der Woche Bücher war. So sind wir auch diese Woche mit den Erzieherinnen in 2 Büchereien des Townships gefahren, um sie dazu zu motivieren, die Büchereien in Zukunft auch mit ihren Kindern zu besuchen.

Eine sehr wichtige und zeitintensive Aufgabe bezüglich der Workshops ist zudem noch der Transport. So fährt jeder von uns einen großen Toyota Avanza und 2 davon sind sogar nagelneu. Der etwas ältere Toyota steht uns auch privat zur Verfühung. Das Township ist sehr groß und da die Vorschulen teilweise mit dem Auto bis zu einer ¾ Stunde entfernt von unserem Büro sind, müssen wir die Erzieherinnen immer mit dem Auto abholen und sie nach dem Workshop auch wieder nach Hause bringen, da sie selbst kein Auto haben oder sich auch kein Taxi leisten können. Diese Aufgabe ist komplizierter und schwieriger als ich gedacht habe, da das Township ein riesiges Labyrinth für mich darstellt. Mit der Zeit finde ich mich nun schon besser zurecht, aber letzte Woche bin ich auch einmal im Township verloren gegangen und ich wusste nicht mehr, wo ich mit dem Auto gerade war. In diesem Moment habe ich mich schon ziemlich hilflos und alleine gefühlt, aber Retha konnte mich dann per Handyanruf ganz gut wieder aus dem Labyrinth herausführen 😀 Und wenn man es erstmal bis zur ersten Vorschule geschafft hat, kann die Erzieherin, die man dann mitnimmt, dir auch ganz gut den Weg zu den anderen Vorschulen beschreiben. Manche von ihnen können aber ziemlich schlecht Englisch und dann sind die Autofahrten manchmal auch sehr abenteuerlich und eine echte Herausforderung.

Ich bin übrigens überzeugt davon, dass diese Arbeit eines Tages einen großen Unterschied machen wird und es ist immer wieder schön, wenn man in eine Creche kommt und zwanzig Kinder einem strahlend und voller Begeisterung das fertige Puzzel entgegen halten, über das man selbst gestern noch saß. Zudem ist es sehr bewundernswert, wie Deanne, Retha oder Elsa Spielzeuge oder Lernmaterialien aus für unsere Augen geltender Müll herstellen können. Aus den einfachsten Dingen wie Yoghurtbecher oder Plastiklöffel können sie pädagogisches Spielzeug schaffen. Dies ist auch für die Erzieherinnen besonders wichtig, da solche Materialien für sie sehr günstig und einfach zu bekommen sind.

Das Programm, welches sich auf die Workshops bezieht, nennt sich übrigens bei uns „Dinaledi-Programme“. Aber natürlich basteln wir nicht ausschließlich! Bafenyi bietet auch noch zwei weitere Programme an, die ebenfalls sehr interessant sind. So hilft Lino Maxine bei der Buchhalten und den Finanzen der Vorschulen, was glaube ich auch sehr anstrengend sein kann. Zudem unterstützen wir das so genannte „Kwala-Programme“, welches sich auf das Management und die administrativen Aufgaben bezieht. Zusätzlich beinhaltet das Programm auch noch die Durchführung von Computer-Kursen. Denn viele der Erzieherinnen oder auch die Leiterinnen der Vorschulen wissen nicht, wie man mit Computern umgehen soll oder sie haben keinen Zugang zu Computern, zu Druckern oder zu einem Internetanschluss.

Das dritte Programm nennt sich „Diatla Programme“, bei dem unser künstlerisches und handwerkliches Talent gefragt ist. So sind wir immer zur Stelle, wenn eine Schule verschönert werden muss und schwingen eifrig den Pinsel oder bringen Bilder, Garderoben oder andere Sachen an die Wände an. Besonders bei diesem Programm bekommen wir jedes Jahr Unterstützungen von anderen Freiwilligen, die zum Beispiel hier von der Universität in Potchefstroom oder auch von Schulen in Schweden kommen. Denn manche Schulen benötigen nicht nur einen schönen neuen Anstrich, sondern auch oft ein neues Dach, neue Spielgeräte für draußen und und und…

Am Freitag waren zum Beispiel Studenten der Universität in Potchfstroom da, um uns bei der Verlegung von Rollrasen zu helfen. Das sind für uns immer gute Gelegenheiten, um mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können.

Wir unterstützen die Vorschulen auch dabei, sich für eine staatliche Unterstützung zu bewerben, wir fahren die Leiterinnen in die Stadt und begleiten sie dabei. Wir sind zudem zuständig für die Einkäufe, die wir für die verschiedenen Programme benötigen oder wir helfen den Vorschulen dabei, ihren Lebensmitteleinkauf für die Kinder zu erledigen. Insgesamt sind wir aber auch für die ganze Community im Township da. So können alle Menschen aus Ikageng zu uns kommen, wenn sie Probleme haben und wir versuchen immer, diese zu lösen, aber leider fehlen uns manchmal die Mittel dazu… Aber oft sind die Menschen schon sehr glücklich, wenn wir ihnen wichtige Dokumente kopieren, Lebensläufe abtippen und diese ausdrucken oder wenn wir sie in die Stadt fahren, sodass sie zum Beispiel Schulkleidung für ihre Kinder kaufen können.

Teilweise betreuen wir auch die Kinder und helfen den Lehrerinnen, auf sie aufzupassen. Dabei sind wir drei das absolute Highlight der Kinder und wir werden immer von allen in Beschlag genommen. Wenn man als Weiße in eine Vorschule kommt, sind die Kinder oft erst ein bisschen irritiert, da dies sehr selten vorkommt, aber wenn man ihnen dann zuwinkt, sind alle total begeistert und man hat plötzlich 10 Kinder an einem kleben, die alle „sharp sharp“ machen wollen. Dabei drückt man den einen Daumen gegen den des anderen als eine Art Hallo- oder Okay- Zeichen. Aber besonders angetan sind die Kinder von meinen blonden Haaren und sie wollen diese immer berühren 😀

So kann man schon sagen, dass unsere Aufgaben sehr vielseitig sind und im Prinzip vom Krankentransport bis hin zum Basteln alles dabei sein kann. Deswegen gefällt mir mein Projekt auch sehr gut und es ist schön zu sehen, wie man allmählich persönliche Beziehungen zu den Lehrerinnen aufbaut. Alle sind sehr herzlich und liebevoll und daher gibt dir auch keiner hier die Hand. Als wir ihnen vorgestellt wurden, hat uns sofort jede der Lehrerinnen umarmt und uns einen dicken Kuss auf die Wange gedrückt und natürlich mussten wir mit vielen von ihnen ein Foto für ihr neues Whatsapp-Profilbild machen 😀 Aber auch Bafenyi mit Elsa, Deanne, Maxine und Retha ist zu einer großen Familie geworden und man fühlt sich hier gut aufgenommen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, bei Bafenyi gelandet zu sein, denn Bafenyi besteht aus einem Team mit großartigen Menschen, die einen sehr unterstützen und uns den Start in Potchefstroom so leicht wie möglich gestalten. Wir haben jeden Tag bisher viel Spaß zusammen und auch in der Freizeit machen wir hin und wieder etwas zusammen. So sind wir Montag Abend zum Beispiel bei Deanne zum Essen eingeladen.

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