Pretoria

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Dieses Wochenende bin ich mit einigen Freiwilligen, die ebenfalls hier in Potchefstroom wohnen, in die Hauptstadt Südafrikas gefahren. Das Hostel, das wir uns kurzfristig gebucht haben, war wirklich schön und hat auch nur 12 Euro inklusive Frühstück gekostet! Leider kann Pretoria mit außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten nicht aufwarten, weshalb ich euch auch nur einige wenige präsentieren kann. Mein persönliches Highlight waren die Union Buildings der Stadt (Regierungsgebäude). In einigen Reiseführern werden diese als die schönsten der Welt bezeichnet, was ich ebenfalls auch nur bestätigen kann. Das Besondere an den Gebäuden ist nämlich nicht die Architektur, sondern die besonders schöne Aussicht auf Pretoria. Unterhalb der Gebäude fällt das Gelände terrassenförmig ab und man sieht eine riesige Parkanlage mit vielen bunten Blumen. Den Blickfang der Parkanlage bietet aber die neun Meter hohe Bronzestatue Nelson Mandelas, die erst im Dezember 2013 enthüllt wurde. Zudem haben wir noch das Krugerhaus besichtigt, was aber eher unspektakulär war… Das Krugerhaus ist das Wohnhaus des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Paul Kruger, nach dem auch der Kruger Park benannt wurde. Viele Gegenstände aus seinem Leben sind an dieser Stelle zusammengetragen, sogar seine Staatskarosse und der private Eisenbahnwagon. In der Nähe des Krugerhaus befindet sich noch das Rathaus, welches ebenfalls ganz schön war. Die letzte Sehenswürdigkeit, von der ich euch noch erzählen kann, ist der Historic Church Square. Hier entstand die erste Kirche, um die herum die Stadt wuchs und somit wird der Platz auch als das Herz der City bezeichnet.

Im Großen und Ganzen würde ich Pretoria aber definitiv nicht zu meinen Lieblingsstädten zählen. Abgesehen von den einigen wenig schönen Sehenswürdigkeiten ist Pretoria ziemlich hässlich… Im Zentrum der Stadt sieht man viele Hochhäuser, die alles andere als schön sind. Bei vielen von denen sind die Fensterscheiben eingeschlagen, es hängt Müll herab und dunkle sowie dreckige Hinterhöfe schließen an den Häusern an. Zudem gibt es ungefähr an jeder Ecke eine Fastfood-Kette, ekelige Kneipen und Läden, bei denen du dir deine Haare schneiden kannst und dir gleichzeitig eine Handyhülle kaufen kannst. Insgesamt riecht es in der Stadt aufgrund des vielen Mülls auch nicht wirklich gut und an den Straßen sowie in den Parks hängen viele Menschen den ganzen Tag nur rum und versuchen von dir, Geld zu erbetteln. Was mir aber besonders aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass fast keine Touristen in der Stadt unterwegs waren. Abgesehen von den Menschen in dem Krugerhaus, konnte ich die weißen Menschen in der Stadt an einer Hand abzählen. Im Zentrum von Pretoria waren wir fast die einzigen Weißen, die in der Stadt unterwegs waren. Auch Läden, die sich nach Touristen richten und zum Beispiel Postkarten verkaufen, haben wir vergebens gesucht. Nur in dem Krugerhaus konnte ich zum Glück eine Postkarte als Andenken ergattern.

Worüber ich mich aber sehr gefreut habe, waren die vielen grünen Bäume in Pretoria. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man so etwas wie Bäume mit grünen Blättern mal vermissen kann, aber anscheinend doch, denn hier in Potchefstroom gibt es leider nur ziemlich wenige grüne Bäume…Wenn man ein bisschen außerhalb vom Zentrum weg fährt, ist Pretoria auch mit vielen schönen Alleen ausgestattet, die der Stadt doch noch ein gewisses Flair verleihen. Besonders schön sind die zahlreichen Jacarandas. Vor allem im September, Oktober und November ist die Stadt in das zarte Lila der blühenden Trompetenbaumgewächse getaucht und daher konnten wir zum Glück die schönen Bäume auch sehen. Ursprünglich stammt der Baum aus dem Nordwesten Argentiniens, aber auch in Pretoria gedeiht der Baum bei dem Klima ausgezeichnet und so säumen mittlerweile 70.000 Exemplare die knapp 500 Straßenkilometer der Stadt.

In Pretoria haben wir zudem zum erstmal richtig bemerkt, was für einen Luxus wir in Deutschland gewohnt sind. Damit meine ich vor allem die Möglichkeit, zu jeder Zeit öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können. In Südafrika mangelt es nämlich sehr an öffentlichen Verkehrmitteln. Natürlich gibt es einige Züge und Busse in Südafrika, aber diese sind ziemlich begrenzt, oft nicht wirklich zuverlässig und für oftmals weiße Menschen nicht gerade ungefährlich. Zwischen Pretoria und Johannesburg gibt es eine Zuglinie mit Zügen, die sich Gautrains nennen, und diese Zuglinie konnten wir auch gut nutzen. Die Zuglinie wurde aufgrund der Fußball WM 2010 auch erst vor 6 Jahren neu erbaut und somit waren der Bahnhof und die Züge sehr modern und in jedem Wagon war ein Sicherheitsmann, weshalb wir uns auch sehr sicher gefühlt haben. Vor der Fußball WM 2010 hat Südafrika versucht, das System von öffentlichen Verkehrsmitteln zu erneuern und zu vergrößern, was aber leider nicht wirklich gut geklappt hat. Viele öffentliche Verkehrmittel, wie Busse, wurden nach der WM wieder abgeschafft oder man kann in Städten wie Pretoria Straßenbahnlinien erkennen, aber ohne irgendeine Straßenbahn darauf.

Da wir teilweise dann nicht wussten, wie wir von der einen Sehenswürdigkeit zu einer anderen kommen können, haben wir uns dazu entschlossen, die „gefährlichen“ Minitaxis auszuprobieren. Von den Minitaxis habe ich euch ja schon im letzten Beitrag erzählt. Um bei einem Minitaxi mitfahren zu können, muss man sich an den Straßenrand stellen und einfach seinen Arm ausstrecken. Dabei muss man nicht länger als 3 Minuten waren, bis ein Minitaxi angerast kommt und dich mitnehmen will. Als wir unsere Arme ausgestreckt haben, kamen ungefähr 5 Minitaxis gleichzeitig auf uns zu, die uns alle mitnehmen wollten. Eins ist sogar dabei mitten auf der Straße einfach rückwärts gefahren. Unsere „Beliebtheit“ lag denke ich wahrscheinlich daran, dass es sehr selten vorkommt, dass Weiße ein Minitaxi nehmen wollen und so haben die Fahrer wahrscheinlich ihr Geschäft des Lebens mit uns erhofft. Zuerst wollten sie auch mehr von uns für die Fahrt verlangen, als es eigentlich üblich ist, aber letztendlich konnten wir uns mit dem Fahrer auf 10 Rand pro Person einigen. 10 Rand sind umgerechnet ungefähr 70 Cent und so war diese Fahrt, die ungefähr 15 Minuten gedauert hat, die günstigste Taxi-Fahrt meines Lebens… und gleichzeitig auch die aufregendste, da Touristen eigentlich immer davor gewarnt werden, ein Minitaxi zu nehmen. Der Taxifahrer war aber sehr nett zu uns, hat extra für uns Musik angemacht und alle anderen Mitfahrer, die natürlich alle Schwarz waren, mussten sich zu fünft in eine Bank quetschen, um uns Platz zu machen. Zudem wurden wir, obwohl wir als letztes eingestiegen sind, als erstes an unser Ziel abgesetzt und der Fahrer des Minitaxis ist sogar außergewöhnlich vorsichtig gefahren 😀

Alleine würde ich ein Minitaxi auf keinen Fall nehmen, aber wenn man in einer größeren Gruppe und nicht im dunkeln unterwegs ist, stellen die Minitaxis eigentlich keine Gefahr dar.

Am Samstagabend ging es mir dann leider nicht so gut und ich hatte ziemliche Magenbeschwerden… wahrscheinlich habe ich etwas Falsches gegessen. Und so musste ich leider an dem Abend im Hostel bleiben und mich hinlegen, aber am nächsten Tag ging es mir dann zum Glück schon ein wenig besser und ich konnte mit den anderen in die Stadt gehen.

Insgesamt war das Wochenende sehr schön, aber auch sehr anstrengend und ich habe mich Sonntagabend gefreut, wieder in meinem eigenen Bett liegen zu können. Für diejenigen, die vielleicht mal nach Südafrika reisen wollen, würde ich euch Pretoria aber nicht gerade empfehlen. Wenn man länger in Südafrika ist, lohnt es sich auf jeden Fall, die Hauptstadt zu besuchen, aber wenn man nur für einen dreiwöchigen Urlaub hier ist, lohnt es sich nicht, hier her zu kommen. Südafrika hat eine viel schönere Natur und Landschaft zu bieten! Vor allem wenn man europäische Städte mit kleinen Gassen, schönen Einkaufspassagen, süßen Cafes und guten Restaurants gewohnt ist, wird man in Südafrika solche Städte vergeblich suchen und zumindest in Pretoria kann man dann sehr enttäuscht werden. Leider besitzen hier in Südafrika viele Städte ein besonders schönes Flair, wie es Städte in Europa mit ihren alten Gebäuden und süßen Gassen mit kleinen Läden haben, leider nicht und daher sollte man meiner Meinung nach auch nicht nach Südafrika reisen, wenn man sich Städte angucken möchte.

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2 Gedanken zu „Pretoria

  1. Wieder einmal herzlichen Dank für diese wunderbaren Reisebeschreibungen, die so anschaulich und frisch sind, dass die Reiseschuhe scharren. Man wartet schon auf den nächsten Eintrag.

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