47 days…

Hallo meine Lieben.

Heute Mal wieder nach etwas längerer Zeit ein neuer Blogeintrag von mir! Nun bin ich schon seit 47 Tagen hier in Südafrika und meine Gefühle dazu sind bisher etwas gemischt, aber dazu später noch ein bisschen mehr. Im Moment geht es mir soweit sehr gut hier und ich gewöhne mich immer mehr daran, nun in einem völlig anderen Land weit weg von Deutschland zu leben. Besonders unsere WG, aber auch Potchefstroom und das daran anliegende Township Ikageng, welches eine komplett andere Welt zu dem, was ich bisher kannte, darstellt, fühlt sich immer mehr nach zu Hause an. Das WG-Leben klappt bisher auch immer besser und mir gefällt es gut, mit anderen zusammen zu wohnen. Anfangs war es zunächst noch sehr ungewohnt, mit anderen, die nicht aus Mama, Papa und Antonia bestehen, zusammen zu leben, aber auch das ist nur eine Sache der Gewohnheit. Natürlich hatten oder haben wir teilweise noch einige Probleme mit den verschiedenen Auffassungen von Sauberkeit und Ordnung und diejenigen von uns, die vorher noch nicht alleine gewohnt haben, mussten auch erstmal feststellen, dass keine Mama mehr da ist, die einem alles hinterher räumt und einen umsorgt. Waschen, bügeln, kochen, putzen und so weiter muss jetzt eben jeder für sich selbst erledigen. Ich persönlich habe die meisten Schwierigkeiten mit dem Kochen, da meine „Koch-Künste“ leider wirklich nur auf das aller nötigste beschränkt sind, aber auch das verbessert sich allmählich und ich kann mich glücklich schätzen, dass meistens einer meiner Mitbewohner für mich mit kocht oder wir uns auch oft etwas zusammen kochen… wobei ich dann eher den Part des Tisch-Deckens übernehme 😀  Mittlerweile hat auch fast jeder verstanden, dass das Toast auch wieder zurück gestellt werden sollte oder die Butter in den Kühlschrank gehört 😀 Das schlimmste am WG-Leben ist bei uns jedoch der wöchentliche Spüldienst… Da wir zu fünft leben, sammelt sich in der Küche an einem Tag schon viel Geschirr an und das muss dann eben abends auch alles wieder abgespült werden und leider kann das für uns keine Spülmaschine erledigen. Sonst verstehen wir uns untereinander aber wirklich sehr gut, obwohl wir alle ziemlich unterschiedlich sind, was das Zusammenleben aber auch wieder interessant macht. Wahrscheinlich hätten wir ohne unseren gemeinsamen  Aufenthalt hier in Südafrika niemals was miteinander zutun gehabt, aber nun bin ich sehr glücklich darüber, mit Marvin, Lino, Nele und Anna zusammen zu wohnen. Unter der Woche machen wir recht viel gemeinsam, wie zum Beispiel Käsenudel kochen (die gibt es mindestens einmal die Woche bei uns :D), einen Film gucken, essen gehen, Monopoly spielen,  gemeinsam in der Sonne in unserem Garten liegen oder aber auch einfach zusammen einkaufen gehen. Am Wochenende geht es eigentlich immer feiern, was mir persönlich bzw. uns drei Mädchen manchmal ein bisschen zu viel ist. Besonders Lino und Marvin gehen ziemlich gerne feiern und so gab es schon Wochen, an denen sie 3-4 in der Woche in irgendeinem Club hier waren. Anna, Nele und ich gehen dann meistens am Wochenende immer zumindest einmal mit, da das oft eine gute Gelegenheit darstellt, andere von hier kennen zu lernen. Sonst ist unserer WG aber immer recht viel los und wir bekommen oft Besuch von den anderen Freiwilligen, die auch hier in Potchefstroom oder auch in anderen Teilen von Südafrika leben, da wir in einem ziemlich großen Haus mit Vor- und Hintergarten wohnen. Und da wir recht viele deutsche Freiwilligen hier in Potchefstroom sind, unternehmen wir alle am Wochenende oft etwas gemeinsam und auch mit einigen, mit denen ich nicht zusammen wohne oder in einem Projekt arbeite, konnte ich bereits schon Freundschaften schließen. Besonders viel Zeit verbringe ich mit Juliana, die glücklicherweise nur zwei Straßen weiter wohnt und mit zwei Belgierinnen, die durch ihre Universität einen Freiwilligendienst hier in einer Schule absolvieren.

Mein Projekt gefällt mir soweit auch immer noch ganz gut. Ich gehe gerne zur Arbeit und das Gefühl „gebraucht zu werden und helfen zu können“ tut mir sehr gut. Mittlerweile ist man auch mit allen Aufgaben vertraut und ich finde mich mit dem Auto im Township gut zu Recht. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich alle Straßen kenne (das werde ich wahrscheinlich auch am Ende des Jahres nicht), aber immerhin gehe ich jetzt nicht mehr im Township verloren 😀

Zurzeit haben wir uns bei Bafenyi einer sehr neuen und großen Aufgabe angenommen. In der Nähe von unserem Büro leben zwei Kinder – ein Junge und ein Mädchen – im Alter von ungefähr 10 Jahren, die noch nie in ihrem Leben eine Vorschule oder eine Schule besucht haben. So haben sie bisher noch nie wirklich konzentriert gearbeitet und sich mit Themen wie Zahlen, Buchstaben, Schreiben usw. auseinandergesetzt. Als wir von der für mich nicht vorstellbaren Situation erfahren haben, haben wir uns als Ziel gesetzt, den Kindern zu helfen und sie zu unterrichten, sodass sie am Anfang des nächsten Jahres in die Schule gehen können. Das ist aber leichter gesagt als getan… Da beide Kinder kein Wort Englisch sprechen können, brauchten wir eine Person, die Setswana sprechen kann und einige pädagogischen Erfahrungen aufweisen kann. Die haben wir glücklicherweise auch gefunden! Besonders Elsa, unsere Chefin, kümmert sich in erster Linie um die Kinder und sie kannte noch eine ehemalige Lehrerin im Township, die uns unterstützen kann. Jeden Morgen hole ich nun Betty mit dem Auto im Township ab und fahre sie zu unserem Büro. Dabei sind unsere Gespräche während der Autofahrt immer sehr interessant und meistens unterhalten wir uns über die Unterschiede zwischen Deutschland und Südafrika. So war es zum Beispiel für sie unvorstellbar, dass es in Deutschland nicht üblich ist, dass Schwarze im Haus von Weißen arbeiten. Die ersten Unterrichtsstunden der Kinder waren anfangs sehr schwierig. Die Kinder waren mit der neuen Situation total überfordert und haben viel geweint, denn sie wurden in ihrem Leben zuvor wahrscheinlich noch nie gefragt, ob sie ihren eigenen Namen schreiben können. Doch mittlerweile hat sich die Situation verbessert und die Kinder begreifen sehr schnell und arbeiten konzentriert.

Letztens musste ich jedoch leider auch miterleben, dass die Kriminalität und Gewalt im Township – auch wenn es tagsüber nicht so scheint – doch sehr hoch ist und dass man sie nicht außer Acht lassen kann. So habe ich letzte Woche an einem Feld zwei Lehrerinnen der Vorschulen, durch welches sie nur 5 Minuten laufen müssen, bis sie an ihrem Haus ankommen, abgesetzt. Schon von Anfang an kam mir dieses Feld komisch vor und sie an diesem einfach abzusetzen, löste in mir ein unsicheres Gefühl aus. Daher habe ich die beiden auch noch gefragt, ob sie wirklich hier abgesetzt werden wollen, aber sie meinten, dass sie jeden Tag durch das Feld laufen, um zu sich nach Hause zu kommen. Doch am nächsten Tag stellte sich heraus, dass die beiden, nachdem ich sie an dem Feld abgesetzt habe, auf dem Weg zu sich nach Hause ausgeraubt wurden und dabei verletzt worden sind. Solche Situationen gehören eigentlich zum Alltag im Township dazu, aber ich war sehr geschockt darüber und mir wurde nochmals klar, dass man sich nicht zu sicher im Township fühlen darf.

Das habe ich auch bei einem Vorfall vor einigen Tagen erlebt. Als ich mit dem Auto durch das Township gefahren bin, ist mir plötzlich vor das Auto ein Mann gesprungen, der die Windschutzscheibe des Autos mit kleinen Steinen beworfen hat. Wahrscheinlich war das der gleiche Mann, der Anna und Lino schon mit Messern bedroht hat… Im Endeffekt ist zum Glück nichts passiert und ich konnte dem Mann schnell ausweichen, aber diese Situation hat mich sehr verängstigt und mich erstmal kurz aufgrund des Schocks zum weinen gebracht…

Auch auf den Straßen Südafrikas draf ma sich nicht allzu sicher fühlen 😀 Als ich letztens auf der Autobahn unterwegs war, ist vor mir ein Reifen von einem LKW vor mir abgesprungen und auf mich zugerollt. Zum Glück konnte ich dem Reifen ausweichen und er ist in den Graben gerollt, aber eine solche Situation möchte ich nicht nochmal erleben… Ich möchte aber jetzt auch keinen mehr beunruhigen durch meine Geschichten 😀

Jetzt möchte ich noch auf den Anfang meines Blogeintrags zurückkommen und ein etwas tieferes gehendes Thema ansprechen: das Heimweh. Ja, auch mich hat das Heimweh getroffen und das nicht gerade leicht. Im Moment befinde ich mich in einem „Tief“ und mir fällt es sehr schwer hier, mich an die neue Situation und an die neue Umgebung weit weg von zu Hause zu gewöhnen. Ich möchte dies nun noch zum Thema meines Blogeintrags machen, weil ich euch ein bisschen etwas über die Hintergründe dazu erzählen möchte und ich der Meinung bin, dass das Heimweh genau wie die anderen Erlebnissen – egal ob schöne oder auch nicht so schöne – die ich bereits gemacht habe, als Teil zu meinem Freiwilligendienst dazu gehören und ich euch diesen nicht vorenthalten möchte. Zunächst möchte ich aber nochmals betonen, was ihr aber wahrscheinlich schon durch die vorherigen Blogeinträge mitbekommen habt, dass mir mein Projekt sehr gut gefällt und ich es hier echt gut getroffen habe! Meine Arbeitskolleginnen sind sehr nett und kümmern sich herzlich um uns und sie sind sicher nicht der Grund dafür, warum es mir hier teilweise nicht so gut geht. Ich kann gar nicht genau sagen, wann bei mir das Heimweh oder aus welchem Grund das Heimweh aufgetaucht ist, aber besonders in den letzten zwei Wochen ist es sehr stark, denn erst jetzt realisiere ich so langsam, dass ich wirklich für ein Jahr in Südafrika sein werde und so lange von zu Hause getrennt sein werde. Zurzeit erscheint mir die vorliegende Zeit noch sehr lange und ich zähle die Tage regelrecht ab. Ich weiß selbst, dass das nicht der Sinn der Sache ist, aber es geschieht bei mir einfach automatisch und ich zähle immer im Kopf ab, wann der nächste Monat rum ist, wann der erste große Urlaub beginnt, wann mich meine Familie besuchen kommt usw. Besonders schwer fällt mir zurzeit auch die große Umstellung, die ich gerade durchmachen muss. Vor einigen Monaten war jeder Tag noch geregelt und alles war vertraut und gewohnt. Ich bin zur Schule gegangen, habe gelernt, mich mit Freunden getroffen, am Wochenende etwas unternommen und dieser Ablauf war im Grunde genommen in jeder Woche der gleiche. Ich habe mich in meiner vertrauten Umgebung, ja in meinem zu Hause bei meiner Familie, sehr wohl gefühlt und einen engen Kontakt zu meiner Familie gepflegt, was mir viel bedeutet, mir es aber jetzt umso schwerer macht, mich hier an die neue Situation zu gewöhnen. Im Grunde genommen hat sich mein Leben von einem Tag auf den anderen regelrecht um 180 Grad gedreht und jetzt befinde ich mich nicht nur in einer anderen Stadt, um dort mit einem Studium zu beginnen… nein, ich befinde mich auf einem anderen Kontinent weit weg von zu Hause in einer völlig fremden Kultur mit anderen Sprachen und neuen und noch nicht vertrauten Menschen. So langsam gewöhne ich mich an alles und viele Dinge, wie das WG-Leben werden für mich zum Alltag, aber trotzdem gibt es immer wieder Momente für mich, in denen ich mich nicht wohl fühle und einfach nur wieder nach Hause möchte.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich meine Situation im Moment am besten beschreiben kann. Man könnte von einem so genannten Kulturschock sprechen, aber ich weiß nicht, ob mein Heimweh ausschließlich auf die Andersartigkeit der Kultur hier zurück geführt werden kann, da ich besonders meine Familie vermisse und es mir ziemlich schwer fällt, nicht bei ihnen sein zu können. Meine Freunde vermisse ich natürlich auch und ich würde liebend gerne mal wieder einen Abend mit meiner besten Freundin Cati oder ein Mädelsabend mit den anderen verbringen, aber das Heimweh nach meiner Familie ist deutlich stärker ausgeprägt. Da viele meiner Freunde zurzeit auch selbst von zu Hause weg sind und im Grunde genommen auf der ganzen Welt verstreut sind, ist es gerade normal, viele nicht sehen zu können und da jeder zurzeit selbst damit beschäftigt ist, sich an ein neues Leben – egal ob im Ausland oder in Deutschland, ob bei einem Freiwilligendienst oder im Studium – nach der Schule zu gewöhnen, vermisse ich meine Freunde nicht ganz so stark. Natürlich würde ich hier gerne meine Freunde um mich haben, vor allem weil diese mich besser kennen als mich meine WG-Mitbewohner bisher und mir fällt es schwer, dass ich nicht etwas mit Freunden unternehmen kann, die mir so vertraut sind und die ich ungefähr schon mein ganzes Leben lang kenne. Da aber in Nottuln im Moment nicht wirklich viel passiert, viele meiner Freunde gar nicht mehr in Nottuln wohnen und auch ein neues Leben woanders beginnen, habe ich nicht dieses Gefühl, dass ich zu Hause irgendetwas besonderes verpasse. Natürlich werde ich an Tagen wie Martinimark, Silvester oder beim nächsten Abiball an die Momente der letzten Jahre zurück denken und die Momente mit meinen Freunden vermissen und es wird bestimmt der eine oder andere Tag kommen, an dem viele meiner Freunde sich treffen werden und ich nicht dabei sein kann, da ich diejenige bin, die am längsten von zu Hause getrennt ist, aber damit kann ich  bisher ganz gut umgehen und daher ist das nicht der Grund für mein starkes Heimweh.

Ich glaube mir persönlich fällt es am schwersten, den alten Lebensabschnitt, der sozusagen meine Kindheit bei meinen Eltern zu Hause in Nottuln umfasst, abzuschließen und mit einem neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Es hört sich immer so leicht und schön an, wenn man sagt, dass man jetzt erwachsen wird und beginnt, sein eigenes Leben zu leben, aber mir fällt dieser Prozess zurzeit sehr schwer. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich im Grunde genommen von heute auf morgen „ins kalte Wasser geworfen wurde“ und nun gezwungenermaßen damit beginnen muss, mein eigenes Leben zu beginnen, bei dem ich auf mich alleine gestellt bin. Klar, dass hätte ich auch tun müssen, wenn ich jetzt mit einem Studium begonnen hätte, aber die Tatsache, dass ich mich in einem völlig fremden Land ohne irgendeine vertraute Person befinde und nicht einfach so mal nach Hause fahren kann, macht den Prozess des „Erwachsenwerdens“ nicht gerade leicht für mich.

Auf der anderen Seite ist es aber sicher auch ein kleiner „Kulturschock“, den ich hier gerade durchmachen muss. Denn gerade am Anfang machten mir die Unterschiede zu Deutschland und auch dir innerhalb hier zwischen dem Townhsip und der Städte sehr zu schaffen und auch jetzt noch gibt es immer wieder kleine Momente, in denen ich überhaupt nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich arbeite nun mal auch in einem Projekt, in dem ich sehr mit Armut und schwierigen Verhältnissen konfrontiert werde und das berührt mich teilweise schon sehr stark. Manches fällt einem einfach schwer zu akzeptieren, vor allem wenn man auch die anderen Seiten kennen lernt: die reichen Familien mit großen Villen hier in Potchefstroom. Ich glaube an dieser Stelle ist es sehr wichtig sich zu sagen, dass man nicht nur die ganzen Unterschiede zu Deutschland sehen, sondern sich auf das besinnen sollte, was gleich ist und sich auf Neues zu freuen!

Naja, ich glaube, dass es irgendwie die Mischung aus allem ist, die mich hier noch nicht so ganz zuhause fühlen lässt. Ich persönlich brauche einfach noch ein bisschen Zeit, um mich an alles zu gewöhnen. Aber grundsätzlich bin ich fest der Meinung, dass das Jahr hier gefühlt sehr schnell umgehen wird. Ich bereue meine Entscheidung auch absolut nicht und ich bin froh, diese neuen Erfahrungen machen zu dürfen. Schon nach 1 ½ Monaten kann ich sagen, dass man sich persönlich sehr stark weiterentwickelt und besonders auch an den nicht so schönen Momenten unglaublich wächst. Ich merke auch an dem Aufenthalt hier, dass es im Leben auch noch andere Dinge gibt, die einen glücklich machen können und wie wichtig es ist, eine Familie und gute Freunde zu haben. Über viele dieser Dinge habe ich bisher bewusst noch gar nicht so nachgedacht und vieles erschien mir als selbstverständlich, was es aber eigentlich gar nicht ist. Das Heimweh zeigt auch, wie wichtig einem seine Familie und sein zu Hause ist und man kann sich glücklich schätzen, dazu in der Lage zu sein, Heimweh zu haben und seine Familie zu vermissen. Viele hier haben nämlich keine Familie, die einen unterstützt und liebt und daher können viele hier so ein Gefühl gar nicht verspüren. Ich persönlich lerne manche Sachen, besonders auch die, die einem als völlig normal und unbedeutend erschienen sind, viel mehr zu schätzen und ich kann nur jedem empfehlen, mal für eine etwas längere Zeit aus seiner Komfortzone zu treten und seine eigenen Erfahrungen zu machen! Vor allem wird das ein Jahr für mich sein, welches ich in dieser Form nie wieder haben werde und auf meine Erfahrungen sowie auf meine Arbeit hier kann ich in einem Jahr sicherlich stolz zurück blicken. Ich werde bestimmt immer mit Südafrika auf einer besonderen Art und Weise verbunden bleiben und schon jetzt konnte ich Freundschaften schließen, die mir sicherlich mein ganzes Leben lang erhalten sein werden. Vor allem auch mit denjenigen hier aus meiner WG werde ich für immer wahrscheinlich verbunden sein, da sie die einzigen sind, die die gleichen Erfahrungen machen werden und zusammen werden wir unvergessliche Erlebnisse miteinander teilen können.

Das Heimweh wird bestimmt in dem Jahr nicht ganz weggehen, aber ich glaube, dass es sich verändern wird und ich lernen werde, damit gut umgehen zu können. Mittlerweile kann ich meine Gefühlslage auch recht realistisch einschätzen und ich habe sie immer besser unter Kontrolle. Ich fange an, das Leben hier zu verstehen und es auch zu genießen, was aber bei täglichen 30 Grad auch nicht gerade schwierig ist 😀 Wenn das Heimweh auftaucht, versuche ich immer viel zu unternehmen und mich mit anderen zu treffen. So gehe ich seit ein paar Wochen mindestens dreimal wöchentlich mit Marvin ins Fitnessstudio hier, was mir wirklich sehr gut tut! Nachdem ich Sport gemacht und mich ausgepowert habe, fühle ich mich immer besser und mir gefällt es gut, raus zu kommen und abends zusammen zum Sport zu gehen. Natürlich ist das nicht nur ein gutes Mittel gegen Heimweh, sondern auch ein gutes Mittel für die Figur, da unsere Ernährung hier nicht die beste ist und wir aufgrund der für uns günstigen Preise viel essen gehen 😀 Außerdem mache ich mir immer fleißig Pläne für meine Freizeit und im Moment sind wir sehr damit beschäftigt, unseren großen Urlaub im Dezember zu planen. Wir werden genau ein Monat (vom 8. Dezember bis zum 8. Januar) von Johannesburg nach Kapstadt und wieder zurück fahren und das wird bestimmt eine unvergessliche Reise werden. Da zu dieser Zeit in Südafrika Hochsaison herrscht, war es teilweise sehr schwierig, noch gute Unterkünfte zu bekommen, aber jetzt haben wir schon fast alles gebucht und die Reise steht. Besonders freue ich mich darauf, Weihnachten am Strand verbringen zu werden und an Silvester Kerstin in Kapstadt zu treffen. Kerstin ist eine gute Freundin, die ebenfalls einen Freiweilligendienst in Südafrika absolviert, nur leider nicht in meiner Nähe, sondern in der Nähe von Kapstadt. Ich freue mich aber riesig darauf, 6 Tage mit Kerstin in Kapstadt verbringen zu können und mit einer vertrauten Person aus Nottuln Silvester feiern zu können… so ist die Welt doch wieder klein 😀

Besonders hilft es mir auch, meine Gedanken aufzuschreiben und auch generell mit Leuten zu reden. So stehe ich zurzeit mit den ehemaligen Freiwilligen meines Projektes in engem Kontakt oder auch mit Freiwilligen, mit denen ich hier bin. Dabei ist bei vielen das Heimweh sehr unterschiedlich oder teilweise auch gar nicht ausgeprägt. Das liegt aber teilweise auch an den unterschiedlichen Lebenserfahrungen der einzelnen. Natürlich hat ein Marvin, der 26 ist und bereits schon sein eigenes Leben geführt hat, nicht so starkes Heimweh wie ich, aber ich bin mir sicher, dass jeder irgendwann an einen Punkt kommen wird, bei dem man seine Familie sehr vermisst, aber einige können mit dem Heimweh eben einfacher umgehen als andere. Besonders helfen mir auch die Unterstützung und die aufbauenden Worte meiner Familie. Ich stehe schon sehr oft in Kontakt mit ihnen, was das Heimweh für mich persönlich aber nicht verstärkt. Ganz im Gegenteil – mir tut es gut, mit meinen Eltern zu telefonieren und danach fühle ich mich meistens besser. Viele hier haben auch fast gar keinen Kontakt zu ihren Eltern, aber ich glaube, dass das jeder für sich selbst am besten wissen muss. Natürlich sollte man nicht jeden Tag miteinander in Kontakt stehen, da man ja auch irgendwie ein bisschen „loslassen“ muss und sein eigenes Leben hier führen muss, aber ich brauche einen regelmäßigen Kontakt zu nach Hause schon sehr. Besonders wichtig für mich ist auch dieser Blog, da es mir sehr hilft, über meine Gedanken und Erlebnisse zu schreiben und ich habe große Freude daran. Demnächst gibt’s auch wieder unterhaltsamere Beiträge mit Bildern, nur es war mir wichtig, auch diesen Beitrag mit euch zu teilen und ich hoffe, dass ihr nach wie vor noch Freude daran habt, meinen Blog zu lesen!

Ganz liebe Grüße – eure Hannah

Hier noch einige Bilder der letzten Wochen: (unteranderem war ich künstlerisch besonders tätig und habe die Vorschulen verschönert)

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